Vor 100 Jahren starb der letzte Türmer der Osterburg

Weida. Über dem zweiten Zinnenkranz des Bergfriedes befindet sich im Inneren des Turmes die Türmerstube. Sie diente dem Türmer der Osterburg als Dienst- und Wohnraum. Die Tätigkeit eines Türmers lässt sich zurückverfolgen bis in das 15. Jahrhundert. In einem Schriftstück über des „Schloßthürmers Verrichtung“ aus dem Jahre 1670 werden seine Aufgaben genannt: „Tags und nachts alle Stunden nachzuschlagen und mit dem Posthörnlein zu blasen, dgl. früh 3, mittags 11 und abends 6 Uhr in Zinken oder Trompeten, wenn er`s erlernt, zu stoßen. Aufs Feuer fleißig Aufsicht zu haben und sobald er etwas ersiehet, mit Anschlag der Glocken ein gewöhnlich Zeichen zu geben. Die Ankunft gnädigster Herrschaft durch Zinken oder Trompetenblasen zu melden. Zu unsicheren Zeiten dgl. Zeichen bei Vermerkung von Streitparteien zu geben. Wenn er musikalisch ist, des sonn- und feiertags in der Kirche mit aufzuwarten, dafern es ohne Abbruch der Schloß- und Stadtwache geschehen kann.“

Neben der freien Unterkunft im Burgturm war die Entlohnung eher
dürftig. Sie erhöhte sich im Laufe der Zeit auf 500 Mark pro Jahr. Der
letzte Türmer versah seinen Dienst bis zum Jahre 1917. Im Dezember
1889 übernahm der ehemalige Amtsgerichtsdiener Hermann Heißig
die Funktion des Türmers, nachdem er durch einen Unfall sein
Augenlicht verlor. Nur mit Hilfe seiner Ehefrau war er in der Lage, diese
Tätigkeit stets gewissenhaft auszuüben. Zur Zeit Hermann Heißigs
bestand die Türmerwohnung aus zwei Räumen. In der Höhe des
zweiten Zinnenkranzes war die „gute Stube“, darüber befand sich eine
weitere Kammer, die dem Türmer als Wach-, Schlaf- und Kochraum
diente. Von hier aus verlief auch das Seil zur Glocke über dem obersten
Ausstieg. Das Turminnere wurde damals nur mit Kerzen oder
Petroleumlampen erhellt. Heizmaterial und Wasser mussten vom Hof
der Burg hinaufgetragen werden. Nach dem Tod seiner Frau 1917 legte Hermann Heißig das Amt als Türmer nieder und zog zu seiner Tochter in die Brüderstraße. Im Februar 1923 verstarb er dort.

Rainer Kühnau hält seit vielen Jahren das Andenken des Weidaer Türmers in Ehren. Er steigt die vielen Stufen im Turm nach oben und plaudert gern mit den Gästen. Bei Veranstaltungen wirbt er im schwarzen Türmermantel für die Osterburg und ihre Geschichte. Die Türmerstube wurde 1996 nach Renovierung der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht und bei der Sanierung des Burgturmes 2011/12 vollkommen saniert.

Eine der angesagtesten Attraktionen auf der Osterburg ist nach wie vor das Türmerfrühstück: Interessenten können, nach Anmeldung in der Wirtschaft zur Osterburg, ein ausgiebiges Frühstück zu sich nehmen oder den berühmten Weidschen Kuchen probieren. Auf Wunsch begleitet der Türmer im historischen Gewand die Besucher und erzählt ihnen Geschichten aus dem Leben der Turmwächter und von den historischen Ereignissen in Weida. Der herrliche Ausblick auf das Thüringer Vogtland entschädigt für die Mühen des Aufstiegs über die engen, steinernen Stufen im Innern des Turmes. Besonders interessant – auch für Kinder – ist das „Uhraufziehen mit dem Türmer“.

Die besondere Führung bis hinauf in die Uhrenstube, dauert circa 90 Minuten, kostet pro Person 15 Euro und wird nur nach Voranmeldung (Telefon 036603 62775 oder Email tourismus@weida.de) durchgeführt.

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