100 Jahre Thüringer Bergbahn

Mit 25 Prozent Steigung auf die Höhe

Von Andreas Abendroth

Die Thüringer Bergbahn – vormals Oberweißbacher Bergbahn – verbindet drei Besonderheiten. Die ist ein öffentliches Verkehrsmittel im Personennahverkehr. Sie ist ein technisches Denkmal, welches noch voll funktionsfähig ist. Sie ist die steilste Standseilbahn zum Transport normalspuriger Eisenbahnwagen. Damit ist die Bergbahn nicht nur ein Kleinod, sie gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen in Thüringen.

Thüringer Bergbahn (vormals Oberweißbacher Bergbahn) wurde am 15.03. 1923 offiziel eröffnet und feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Die 1,4 km lange Standseilbahn mit 25% Steigung führt von der Talstation Obstfelderschmiede nach Lichtenhain. Zum Geburtstag gab es auch eine Torte. Foto: Andreas Abendroth

Offizielle Einweihung war
am 15. März 1923

Zum 100. Geburtstag darf auch einmal ein Blick in die Historie der Bahnanlage geworfen werden. Damals war es fast wie heute, könnte man sagen. Die ländlichen Regionen stehen bei wirtschaftlichen Entwicklungen immer hinten an. So auch um 1900 in der Region des Schwarzatales. Das Tal wurde – auch eisenbahnmäßig – erschlossen. Bereits am 8. April 1895 gab es einen Gesetzesbeschluss zum Bau der Bau Schwarzatalbahn durch die preußische Bahnverwaltung. Doch die Ortslagen auf dem Hochplateau blieben außen vor. Mit Fuhrwerken mussten alle Waren und Güter aufwendig auf die Hochebene transportiert werden. Damit dieser wirtschaftliche Nachteil ausgeglichen wird, suchte man nach einer technischen Lösung für eine neue Bahnverbindung auf den Berg. Mit den Planungen wurde der Ingenieur Dr. Wolfgang Bäseler beauftragt. Im August 1919 wurde der Bau der Oberweißbacher Bergbahn genehmigt, die Oberweißbacher Bergbahn AG gegründet.

Der Bau der Standseilbahn – nach den Schweizer Vorbildern – konnte beginnen. Beide Wagen sind mit einem Seil verbunden. In Bewegung treffen sich beide in der Mitte der Fahrstrecke. Dort befindet sich ein Ausweichgleis. Dank der sogenannten „Abt-Weichen“ bewegen sich die Wagen sicher aneinander vorbei.

Nach etwas über drei Jahren Bauzeit wurde dem Betreiber im Januar 1923 die „Genehmigung zur Eröffnung des Personenverkehrs“ erteilt. Die offizielle Eröffnung fand am 15. März 1923 statt.

Thüringer Bergbahn (vormals Oberweißbacher Bergbahn) wurde am 15.03. 1923 offiziell eröffnet und feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Die 1,4 km lange Standseilbahn mit 25% Steigung führt von der Talstation Obstfelderschmiede nach Lichtenhain. Der Cabrio-Aufsatzwagen im Einsatz. Foto: Andreas Abendroth

Heute wird die Standseilbahn zum Personentransport genutzt. Dank des Anbaus einer Fahrradbühne an die Wagen, können auch Fahrräder transportiert werden. Nur zu besonderen Anlässen wird den Gästen vorgeführt, wie ein Güterwagen auf die Transportbühne kommt.

Immer wieder musste an der Bergbahn-Anlage gebaut werden, um diese technisch zu erhalten. 1980 wurde die Bergbahn zum „Denkmal der Produktions- und Verkehrsgeschichte“ erklärt. Nach Gründung der „DB RegioNetz, Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn“ erfolgte 2002 eine umfassende Rekonstruktion der Anlage.

Technik und Natur im Einklang

Über die Jahre hatte und hat man nicht nur die Bahnanlage im Blick. Auch den Gästen möchte man einen Mehrwert in dieser schönen landschaftlichen Umgebung anbieten. Es wurde investiert. In der Bergstation Lichtenhain wird ein Fahrstuhl eingebaut, welcher einen barrierefreien Übergang von der Bergbahn zur Flachstrecke ermöglicht. 2007 wird an der Bergstation ein 26,5 Meter langer Reisezugwagen platziert und zur Gaststätte „Der Speisewagen“ umgebaut. Ab Mai 2008 können die Gäste auch in einem Cabrio-Wagen den Höhenunterschied überwinden. Es folgen der Umbau des „Maschinariums“ in ein Erlebnismuseum – hier kann man einen Blick hinter die Kulissen der Bergbahn werfen -, in Zusammenarbeit mit dem ThüringenForst wird der „Fröbelwald“ geschaffen – Wissensvermittlung und Spiel auf einem Walderlebnispfad und auf der Flachstrecke kann man „Olitätenwagen“ kutschiert werden.

Die Thüringer Bergbahn (vormals Oberweißbacher Bergbahn) wurde am 15.03. 1923 offiziell eröffnet und feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Die 1,4 km lange Standseilbahn mit 25% Steigung führt von der Talstation Obstfelderschmiede nach Lichtenhain. Im Maschinarium bitet sich den Gästen die Möglichkeit, einen exklusiven Blick in das Herzstück der Bergbahn zu werfen. Hier befindet sich unter anderen das Maschinenhaus, wo sich die Antriebsanlage mit den Treibscheiben, den Motoren und den Bremsen befindet. Foto: Andreas Abendroth

Außerdem ändert sich der Name. Aus der Oberweißbacher Bergbahn wird die Thüringer Bergbahn.

Thüringer Bergbahn (vormals Oberweißbacher Bergbahn) wurde am 15.03. 1923 offiziell eröffnet und feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Die 1,4 km lange Standseilbahn mit 25% Steigung führt von der Talstation Obstfelderschmiede nach Lichtenhain. Auf dem Weg zur Bergstation im Stufenwagen. Foto: Andreas Abendroth

Bei der Bergbahn wird im Jubiläumsjahr auch schon in die Zukunft geblickt. So soll in einem IBA-Projekt die Talstation der Bergbahn aufgewertet werden. Geplant ist ein Kräutergarten zum Verweilen im Grünen – direkt an der Schwarza.

Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

100 Jahre Bergbahn im Schwarzatal bedeutet aber auch ein Veranstaltungsreigen rund um das Jubiläum.

01.05.2023: Nostalgietag an der Bergbahn

03.06.2023: Bergbahnlauf

17. – 18.06.2023: 100 Jahre Bergbahn im Schwarzatal (Jubiläumsfest mit Landkreisfest, Fröbelwaldfest und Modellbahnausstellung in Lichtenhain

20.08.2023: Tag der Sommerfrische

15. – 17.09.2023: Tag der Schiene mit Bergbahn-Krimi Lesung

31.10.2023: Abgrillen an der Talstation mit Schauvorführung

16. – 17.12.2023: Weihnachtsglanz im Schwarzatal und Advent an der Bergbahn

Die Thüringer Bergbahn (vormals Oberweißbacher Bergbahn) wurde am 15.03. 1923 offiziel eröffnet und feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Die 1,4 km lange Standseilbahn mit 25% Steigung führt von der Talstation Obstfelderschmiede nach Lichtenhain. Für Durstige und Kenner gibt es ein Jubiläumsbier, gebraut in Saalfeld. Foto: Andreas Abendroth

Informationen

Rund um die Thüringer Bergbahn unter: www.thueringerbergbahn.com

Technische Angaben

Bergbahn:

Länge: 1387 Meter

Höhenunterschied: 323 Meter

Neigung durchschnittlich: 23,9 Prozent

Neigung maximal: 25 Prozent

Spurweite: 1800 Millimeter

Seilstärke: 40 mm Durchmesser und besteht aus 6 Litzen a 25 Drähte (Gleichschlagseil)

Seilrollen: 119 Gerade und 99 Schräge Rollen sowie 31 Kunststoff Gleitstücke

Neue Anlage:  2002 von der Schweizer Spezialfirma Doppelmayer

Motor: 2 x 110 kW Drehstrommotor-Asynchronmotoren

Güterbühne: 25 Tonnen, max.  Zuladung 27 Tonnen

Personenwagen: 26 t, Länge 9,66 m und Breite 4,00 m

Fahrzeit: rund 15 Minuten

Allgemeine Angaben

Mitarbeiter: 31

Streckenkilometer: 29 (davon 24,95 Kilometer Schwarzatalbahn)

Fahrzeuge: Drei Triebwagen auf der Flachstrecke und Schwarzatalbahn

                    Bergbahn – ein Stufenwagen, eine Güterbühne für Personen- Aufsatzwagen, Cabrio-Wagen oder historischen Güterwagen.

Fahrgäste: ca. 160.000 im Jahr

Fotoimpressionen rund um die Thüringer Bergbahn:

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