Sonderausstellung im Unteren Schloss
Greiz pflegt seit Jahrhunderten eine lange Tradition des Bierbrauens. Die Ausstellung im Unteren Schloss beleuchtet den historischen Hintergrund und folgt Fragestellungen zur Geschichte des Greizer Bieres.
Was waren eigentlich Greizer Bierschreier und Bierschätzer?
Die neue Sonderausstellung im Unteren Schloss Greiz folgt auch diesen Fragen zu der Kulturgeschichte des Bieres, illustriert das Handwerk des Brauens, erörtert die heilsame Wirkung des Hopfens, folgt der Gefahr des Malzens und stellt die Firmengeschichten der Greizer Brauereien, besonders die der Vereinsbrauerei Greiz, dar. Das Biertrinken wird als rituelle Handlung, Bezug nehmend auf die Schleifkannen der Greizer Zünfte, vorgestellt. Nicht zuletzt werden auch einige gastronomische Einrichtungen von Greiz thematisiert, die der schönen Residenzstadt in den letzten 150 Jahren mit ihrem geselligen Ambiente prägten und in unserer Stadtgeschichte als Veranstaltungsort für Politik und Kultur galten.
Eine Stadt – vier Brauhäuser
In Greiz gab es zeitweise vier Brauhäuser: zwei herrschaftliche Brauhäuser und zwei städtische Brauhäuser. Die Relevanz und Funktion der Brauhäuser ist dem Namen immanent. Durch die innerfamiliäre Teilung der Herrschaft im Jahre 1564 bis 1768 sind zwei herrschaftliche Brauhäuser sehr schlüssig, die für die Obergreizer Herrschaft im Bereich des heutigen Westernhagenplatzes/Brauhausgasse und für die Untergreizer Herrschaft im heutigen Marstall (vorher Untergreizer Vorwerk, Anm. Verf.) verortet gewesen sind. Auf einem Stadtplan aus dem Jahre 1744 ist das Obergreizer Brauhaus, das Untergreizer Brauhaus sowie zwei nebeneinanderliegende städtische Brauhäuser an der Rückseite des Rathauses nachweisbar.
Über zweihundert Jahre später hatte Greiz drei große Brauereien: die Feldschlösschenbrauerei, die Göltzschtalbrauerei und die Vereinsbrauerei.
Die Vereinsbrauerei im Wandel der Geschichte

Vor über 150 Jahren gründeten der Fabrikant Karl Gottlieb Weber, der Kaufmann Karl Anton Merz und der Privatier Anton Zenner die Vereinsbrauerei Greiz. Schon 1874 konnte das erste Bier den neugierigen Kunden zur Verkostung gereicht werden. Der moderne Eiskeller, der mit Natureis aus dem nahegelegenen Eisteich versorgt wurde, ermöglichte die ganzjährige Herstellung untergäriger Biere, welche sich großer Beliebtheit erfreuten. Die Dampfmaschinenanlage reflektierte die Zeichen der Zeit – die moderne Zeit stand im Zeichen der Dampfkraft. Durch die Modernisierung des Bierbrauens und die eingesetzte neue Technik wurden völlig neue qualitative Maßstäbe gesetzt – die gestiegenen Ansprüche veränderten das traditionelle Handwerk des Bierbrauens zunehmend. Folglich war es nur eine logische Folge, dass das städtische Brauhaus seine Pforten schließen musste. 1886 wurde daraus eine Aktiengesellschaft – die Vereinsbrauerei AG Greiz – gebildet. Dies war eine finanzielle Voraussetzung für weitere Modernisierungen, die unsere Brauerei über Jahrzehnte prägten und erfolgreich in das beginnende 20. Jahrhundert trugen.
Durch die Katastrophe des Ersten Weltkrieges wurde die Bierproduktion zuerst stark eingeschränkt, dann reduziert und schließlich völlig eingestellt. Stattdessen wurde in den Gärbottichen Sauerkraut angesetzt sowie die, für diese Hungerszeit typischen Rübenschnitzel hergestellt. 1922 wurde die Göltzschtalbrauerei aufgekauft. 1923 war das Jahr der Hyperinflation – eine Zeit geprägt von wirtschaftlichen Depressionen, der massiven Geldentwertung, der Massenarbeitslosigkeit und der daraus resultierenden allgemeinen Verarmung breiter Bevölkerungsschichten. Das alltägliche Leben in Deutschland, zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, wird häufig durch das berüchtigte Dünnbier der Kriegszeit illustriert, denn bei Zeitzeugen ist dies eine sehr lebendige Erinnerung.
Nach 1945 fand auch das Greizer Bier nur langsam zu einem qualitativ hochwertigen Produkt zurück. Die Vereinsbrauerei wurde VEB und Mitglied der „Vereinigung Ostthüringer Brauereien“. Die DDR war oftmals von einer Mangelwirtschaft geprägt. Das Bemühen der Brauereien, trotzdem gute Produkte zu produzieren war unverkennbar, aber das Malz wurde oftmals mit Gerstenrohfrucht oder Reis vermischt, was natürlich zu Lasten der geschmacklichen Qualität ging.
1972 wurde die Feldschlösschenbrauerei Greiz durch die Vereinsbrauerei übernommen. Es wurde in dieser Zeit aber auch planwirtschaftlich modernisiert, sodass der Brauereistandort Greiz 1991 durch die Rettung vor dem Konkurs durch die Tucher AG Nürnberg erhalten werden konnte. In den darauffolgenden Jahren mussten dringend notwendige Investitionen und Modernisierungen realisiert werden. Es folgten Eigentümerwechsel, die unserer Greizer Brauerei fast das Ende beschert hätten.
Hätte es den damaligen Geschäftsführer Thomas Schäfer nicht gegeben, der 2010 die Greizer Brauerei kaufte, wäre die Jahrhunderte währende Brautradition in Greiz beendet gewesen. Thomas Schäfer legte schon immer viel Wert auf die Qualität der Biere unserer Greizer Vereinsbrauerei. Nicht zuletzt durch die umfangreichen Investitionen schaffte er es, dass die Biere zu den qualitätsvollsten Bieren in Deutschland gehören. Der Qualitätstest der DLG stellte dies ganz klar fest: „Die Vereinsbrauerei Greiz konnte mit ihren Bieren in dem weltweit anspruchsvollsten Test überzeugen und wurde mit zwei Gold-Medaillen für beste Qualität und höchsten Genuss ausgezeichnet.“
„Trinkt Greizer Vereinsbrauerei Biere“ – dieser Slogan war schon vor über 100 Jahren das Erfolgsrezept, welches die Greizer Vereinsbrauerei durch die Krisen der Weltwirtschaft führte und die Katastrophen der Kriege überwinden ließ. Und gilt auch gerade jetzt in der schwierigen Zeit des Traditionsbetriebes.
Die Ausstellung bis 15. Oktober zu sehen – dienstags bis sonntags 10 bis 16 Uhr, ab April bis September 10 bis 17 Uhr. Geöffnet ist auch am Ostermontag sowie am Pfingstmontag!

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