Gegen das Vergessen

Schreibender Arzt trägt Patientengespräche vor

Mucksmäuschenstill war es zur Novemberveranstaltung der Bernsgrüner Landfrauen, als Dr. med. Jörg M. Pönnighaus aus Fröbersgrün aus seinen Gesprächsbänden „Schatten der Zeit“ und „Schattensaiten“ kleine Geschichten von kleinen Leuten im Vogtland und von Leben und Tod im Land der Vögte vortrug.

„Ich bin Hautarzt. Operiere schwarzen und weißen Hautkrebs. Dabei unterhalte ich mich mit meinen Patienten, weil es mich erstens brennend interessiert und zweitens lenkt es die Patienten ab. Und die Patienten waren froh, ihre Geschichten und Lebensläufe erzählen zu können. Mit einigen habe ich mich auch angefreundet und sie besucht“, so Pönnighaus, der als Arzt in Afrika, in internationalen Hilfseinsätzen und im Vogtlandklinikum Plauen tätig war. Seine mit überwiegend älteren Menschen aus dem alltäglichen Leben geführten Gespräche beinhalten Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg, Gefangenschaft, Flucht und Umsiedlung sowie Nachkriegszeit und DDR-Zeit. Zu dem Vorgetragenen gehörte auch die vom Besuch bei Gerold Hupfer aus Hohndorf, der als 15Jähriger 1946 als angeblicher Wehrwolf verhaftet wurde. „Das alles geht mir sehr nah. Wir haben ja alle Kriegserfahrungen. Mein Vater war auch vier Jahre in Russland. Die Geschichten sind alles Wahrheiten“, sagt Landfrau Erika Gräbner bewegt. „Für mich sind diese Geschichten auch wichtig. Mein Vater hat nichts über den Krieg erzählt. Und die meisten Patienten, die über den Krieg berichten können, sind ausgestorben, und die Zeitzeugen sind plötzlich weg“, ergänzt der Autor. Auch Vereinschefin Jutta Riedel findet diese Aufzeichnungen so wichtig, die der Nachwelt erhalten bleiben müssen. Die Landfrauen waren vom Vortrag sichtlich ergriffen, bewegt und aufgewühlt von Erinnerungen an eine dunkle Zeit. Pönnighaus Buchvorstellungen wären zweifellos eine Bereicherung für jeden Geschichtsunterricht an den Schulen.

„Die Geschichte ist ein wichtiger und guter Lehrer. Aber niemand hört zu und will es wissen“, so der Arzt und Dichter Pönnighaus abschließend.

Text/Foto: Gabriele Wetzel

Foto: Dr. Pönnighaus hinterließ mit seinen vorgetragenen Patientengeschichten einen bleibenden und nachhaltigen Eindruck bei den Bernsgrüner  Landfrauen. 

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