Mit Aurélien Bello stellte sich ein weiterer Bewerber um die Chefdirigentenstelle der Vogtland Philharmonie vor
Das 5. Sinfoniekonzert der aktuellen Spielzeit der Vogtland Philharmonie stand im Zeichen dreier russischer Komponisten, eines italienischen Klaviervirtuosen und eines in Frankreich geborenen Dirigenten.
Letzterer ist Aurélien Bello, der sich als fünfter Bewerber um die Stelle des Chefdirigenten für das Orchester dem Publikum vorstellte. Der 44-Jährige studierte zunächst in Lyon Musiktheorie, Harfe und Orchestrierung. Dem schloss sich ein Dirigierstudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin an. 2005 debütierte er beim Sistema in Venezuela als Dirigent. Seitdem dirigierte Bello er unter anderem das Deutsche Sinfonieorchester Berlin, das Konzerthausorchester Berlin und die Deutsche Radiophilharmonie. Von April 2015 bis 2022 war er künstlerischer Leiter des Symphonieorchesters des Bach-Musikgymnasiums in Berlin. Seit Sommer 2022 leitet Aurélien Bello die Junge Kammerphilharmonie Berlin.
Bei den Konzerten am vergangenen Mittwoch im Neuberinhaus Reichenbach und am gestrigen Freitag in der Vogtlandhalle Greiz standen Werke von Sergej Prokofjew und Dmitri Schostakowitsch sowie Modest Mussorgski auf dem Programm. Den Auftakt machte mit Prokofjews 1. Sinfonie D-Dur op. 25 die „Symphonie classique“, wie sie der Komponist einst selbst nannte. Anschließend erklang das 2. Klavierkonzert F-Dur op. 102 von Schostakowitsch. Hier brillierte der italienischen Pianist Antonio Di Cristofano als Solist, den das Publikum erst nach einer Zugabe von der Bühne gehen ließ.
Nach der Pause spielte die Vogtland Philharmonie als Höhepunkt des Abends die „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgski in der Orchesterfassung von Maurice Ravel. Das Werk komponierte Mussorgski 1874 als Reminiszenz auf eine Ausstellung von Skizzen und Bildern seines im Jahr zuvor verstorbenen Freundes Viktor Hartmann. Knapp 50 Jahre später, am 19. Oktober 1922, gelangte in Paris erstmals die von Ravel orchestrierte Version zur Aufführung. Weitere 50 Jahre später machte eine Liveversion des englischen Power-Rock-Trios Emerson, Lake & Palmer die „Pictures at an Exhibition“ einem breiteren nichtklassisch-affinen Publikum bekannt.
Nun, noch einmal reichlich 50 Jahre später, begeisterte das Werk in der Ravel-Fassung das Konzertpublikum in Reichenbach und Greiz. Unter der Leitung von Aurélien Bello spielte das Orchester in Höchstform und riss das Publikum nach dem monumentalen Finale zu stehenden Ovationen hin. Die begeisternden Aufführungen waren auch das Ergebnis einer dem Vernehmen nach gut funktionierenden Zusammenarbeit zwischen Dirigent und Orchester. Die Chemie habe gestimmt, hieß es aus Musikerkreisen.
Ob es für Aurélien Bello für den Chefdirigenten-Posten reicht, wird sich noch zeigen. Bei den nächsten Sinfoniekonzerten werden sich weitere Bewerber vorstellen.
Hier einige Impressionen von der Greizer Aufführung:








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