Die zersägte Salome in Gotha wieder vereint

Fragmente des zersägten Gemäldes „Salome mit Johannesschüssel“ nach fast 90 Jahren wieder vereint

Im Altdeutschen Saal des Herzoglichen Museums Gotha haben am gestrigen Montag zwei Hälften des zersägten Cranach-Gemäldes „Salome mit Johannesschüssel“ (um 1530) zusammengefunden.

Nach fast 90 Jahren hängen die Fragmente wieder gemeinsam an der Wand, an der sie in den 1930er Jahren noch als vollständiges, unversehrtes Gemälde zu sehen waren. Das Gemälde „Salome mit Johannesschüssel“ (um 1530, Lucas Cranach d. Ä., Werkstatt oder Nachfolge) ist seit 1644 in den Sammlungen nachweisbar und zählt zum Kernbestand der Kunstkammer auf Schloss Friedenstein. Es gelangte vermutlich als Mitgift der Herzogin Elisabeth Sophie von Altenburg nach Gotha, was die Beliebtheit des Themenkreises der sogenannten „Weibermacht“ am Hofe – also der gefährliche Einfluss schöner und kluger Frauen auf Männer – unterstreicht.

In protestantischen Kreisen diente das Gemälde im 16. Jahrhundert zudem als abschreckendes Beispiel für Tyrannei und die „katholische Irrlehre“.

Auf Grundlage der damaligen Stiftungssatzung, die eine Trennung von Dubletten und vermeintlich „schadhaften“ Werken erlaubte, wurde das Gemälde 1936 an einen Kunsthändler veräußert. Vor dem Hintergrund des damals deutlich umfangreicheren Cranach-Bestands, der noch nicht durch Kriegsverluste dezimiert war, erschien das Gemälde entbehrlich. Der Händler ließ die Tafel aus kommerziellen Gründen zersägen, „…da ein tägliches Anschauen für fein besaitete Menschen unerträglich sein würde.“

Das Oberteil konnte nun als ernestinische Prinzessin angeboten werden, während der unverkäufliche Part mit dem abgeschlagenen Kopf an Gotha zurückgegeben wurde. Die „Johannesschüssel“ wurde 2015 restauriert und war zuletzt 2021 in der Ausstellung „Wieder zurück in Gotha! Die verlorenen Meister“ zu sehen.

Das obere Fragment von „Salome und die Johannesschüssel“ aber blieb nach einer Auktion bei Christie’s in London im Jahr 2012 verschollen – bis es 2024 erneut im Kunsthandel auftauchte. In der Folge wurde es durch Prof. Dr. Gunnar Heydenreich vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS) an der TH Köln untersucht und für restaurierungsbedürftig befunden. Dank der großzügigen Unterstützung der Kulturstiftung Gotha konnte es zurückerworben werden.

Zur genauen Zuschreibung des Gemäldes an die Werkstatt oder Nachfolge Cranachs des Älteren sollen zukünftige Forschungen beitragen. 2026 ist die Restaurierung des zurückgekehrten Fragments geplant, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Restaurierung der TU Köln erfolgen soll.

Nun ist „Salome mit Johannesschüssel“ nach fast 90 Jahren erstmals wieder vollständig zu sehen.

Dr. Tobias Pfeifer-Helke, Stiftungsdirektor und Dr. Timo Trümper, Direktor Wissenschaft und Sammlungen, mit dem zurückgekehrten Oberteil der Salomé. (Fotos: Boris Hajdukovic, 2025)

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