OB-Ansprache, Musik, Gespräche und Spenden
Oberbürgermeisterin Arndt: „Gute Gedanken allein genügen nicht, Tatkraft und gemeinsames Handeln sind gefragt.“
Mit dem traditionellen Neujahrsempfang startete die Automobil- und Robert-Schumann-Stadt Zwickau am gestrigen Mittwochnachmittag in das neue Jahr. Rund 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung waren der Einladung der Stadt und der Stadtwerke Zwickau Holding GmbH gefolgt.
Nach der Begrüßung durch Baubürgermeisterin Silvia Queck verdeutlichte Oberbürgermeisterin Constance Arndt in ihrer Ansprache, dass sie sich bei allen negativen Nachrichten und kritischen Entwicklungen ihren Optimismus nicht nehmen lasse. Sie appellierte an die Anwesenden, sich den Herausforderungen zu stellen: „Mit unserer eigenen Kraft können wir die übrigen 358 Tage dieses Jahres nun nutzen, um eigene Ideen umzusetzen, positive Momente und Bilder zu schaffen, die uns helfen werden, die Herausforderungen der aktuellen Zeit zu bewältigen.“
Musikalisch gestaltet wurde die festliche Veranstaltung durch die Clara-Schumann-Philharmoniker des Theaters Plauen-Zwickau unter der Leitung von GMD Leo Siberski. Als Solisten traten zwei preisgekrönte Schülerinnen des Robert-Schumann-Konservatoriums der Stadt Zwickau auf. Der Empfang wurde auch genutzt, um Spenden für Hilfs- und gemeinsame Projekte mit der ukrainischen Partnerstadt Volodymyr einzuwerben.
Nicht alle Probleme lassen sich allein mit guten Gedanken lösen
Oberbürgermeisterin Constance Arndt streifte eingangs die vielen Herausforderungen und negativen Entwicklungen der Gegenwart, wie beispielsweise die Defizite in den kommunalen Haushalten, Veränderungen in den Wirtschaftsbeziehungen, Kriege oder bedenkliche geopolitische Entwicklungen. Die „guten alten Zeiten“ seien vorbei, konstatierte das Stadtoberhaupt, um zugleich zu betonen, dass sie unverbesserlicher Optimist bleibe: „Ich bin einfach nicht bereit, nicht daran zu glauben, dass alles besser wird, Frieden kommt, die Menschen wieder zufriedener und glücklicher werden, selbst in diesen Tagen!“
Ebenso wenig sparte sie die Vereinbarung des VW-Konzerns für den Standort Zwickau aus. Nach zunächst schlaflosen Nächten sei ihr klar gewesen, dass es nun darum gehen müsse, die Lage zu analysieren und Strategien zu entwickeln. Aus diesem Grund habe man eine „Task Force“ gegründet, in der neben Stadt und Landkreis unter anderem auch Unternehmen, Sparkasse, IHK und AMZ mitarbeiten. Ziel sei insbesondere, mit neuen Netzwerken und mit Partnern viele „kleine Bausteine“ zu schaffen, die das Fundament für einen weiterhin erfolgreichen Wirtschaftsstandort legen. Dazu werde auch gehören, vorhandene Kompetenzen weiterzuentwickeln und sich für neue Technologien zu öffnen.
Wichtig sei dabei, so Arndt, die Moral nicht „über Bord“ zu werfen. Vielmehr bedürfe auch die Wirtschaftspolitik der ethischen Orientierung. Sie forderte alle dazu auf, nicht nur zu kritisieren und unzufrieden zu sein: „Ein Mecker-Kommentar in den sozialen Medien hat noch nichts verändert, aber selber die Initiative zu ergreifen, sich in einem Wahlamt zur Verfügung zu stellen, sich in einem Verein ehrenamtlich für öffentliche Sicherheit, Menschen, Tiere, Heimat- oder Traditionspflege zu engagieren, kann einerseits sehr befriedigend sein, weil man Wertschätzung erhält, es hilft aber auch, das Alltagsleben für sich und andere besser/lebenswerter zu machen.“
Dass die Zwickauer Oberbürgermeisterin optimistisch bleibt, hat seinen Grund auch in guten Entwicklungen und schönen Ereignissen im eben vergangenen Jahr sowie in dem, was 2026 bevorsteht. Arndt wies unter anderem auf das Kulturhauptstadtjahr hin, mit der hervorragend besuchten Ausstellung „Sonnensucher!“ zur Kunst der Wismut oder auf die erfolgreiche Premiere der Innenhofmomente. Sie erwähnte die sehenswerte Interimsausstellung der KUNSTSAMMLUNGEN während der Komplettsanierung des Museumsgebäudes ebenso wie die Max-Pechstein-Ausstellung, die derzeit international für Zwickau werbe, die Sanierung von Straßen ebenso wie den Umbau des Georgenplatzes durch die Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH (SVZ) oder die abgeschlossenen Bauprojekte in der Innenstadt.
Vorausblickend nannte Constance Arndt die Sanierung und Neugestaltung des Planitzer Marktes, die bis zum Sommer abgeschlossen wird, sowie das dort befindliche ehemalige Schocken-Kaufhaus, das durch einen privaten Investor einer neuen Nutzung zugeführt wird. Weiterhin erwähnte sie den Umbau des ehemaligen Krankenstifts, die Sanierung des Studentenwohnheims im Stadtzentrum und die Sanierung der Windbergschule. Sie blicke positiv auf das neue Jahr, auch weil endlich die Erneuerung des Bahnhofsvorplatzes losgehe, mit der Vision eines modernen Umsteigepunktes für öffentlichen Personenverkehr und weil sie fest daran glaube, mit dem Bau der Ballsporthalle beginnen zu können. Auch der Veranstaltungskalender halte bereits viele und vielfältige Ereignisse bereit.
Bei Abgeordneten von Land- und Bundestag warb die Oberbürgermeisterin um Unterstützung, etwa wenn es um die Modernisierung der Sachsen-Franken-Magistrale geht oder insbesondere die finanzielle Ausstattung der Kommunen. Zugleich dankte Arndt allen, die sich bereits jetzt aktiv einbringen und zur guten Entwicklung der Stadt beitrügen. Ein Wort des Dankes richtete Arndt auch an alle, die ihr nach der Drohmail im Frühjahr ihre Solidarität bekundeten: „Die vielen Reaktionen der Empörung haben mir gezeigt, dass die Mehrheit doch noch nicht so unsolidarisch und respektlos ist, und das ist ja eigentlich die gute Nachricht. Daher nochmal Danke dafür, dass politischer Dissens mit Worten ausgefochten wird und nicht durch Gewalt!“
Constance Arndt beendete ihre Ansprache mit dem Appell: „Wir haben es oft selbst in der Hand, wie wir die Welt sehen“, und betonte: „Neue Perspektiven einnehmen und dann nicht schlechtreden, sondern umdenken, die Chancen sehen und Veränderungen annehmen.“
Musik, Gespräche und Spenden
Den stimmungsvollen Auftakt des Neujahrsempfangs, dem 27. in der Stadt Zwickau, machten die Clara-Schumann-Philharmoniker mit der Ouvertüre zu „La Forza del Destino“ von Guiseppe Verdi. Nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Queck folgten drei Sätze aus der Suite „Buenos Aires Suite“ des argentinischen Komponisten und Gitarristen Maximo Diego Pujol.
Mit Johanna und Charlotte Klotz traten dabei zwei erfolgreiche Schülerinnen des Zwickauer Robert-Schumann-Konservatoriums auf. Die 17- und 19-jährigen Gitarristinnen hatten im vergangenen Jahr als Duo beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Wuppertal einen hervorragenden zweiten Platz erreicht. Noch erfolgreicher waren sie 2024: Beide traten beim Bundeswettbewerb in Lübeck in der Kategorie Zupfinstrumente Solo an, allerdings in unterschiedlichen Altersgruppen. Und beide erspielten einen ersten Preis!
Als drittes Stück spielte das Orchester des Theaters Plauen-Zwickau, stets unter der Leitung von GMD Leo Siberski, die Downtown Abbey Suite von John Lunn. Zum Abschluss des „offiziellen“ Teils sangen die Gäste gemeinsam das Steigerlied – fester Bestandteil des Programms seit dem ersten Neujahrsempfang.
Die Möglichkeit, im Foyer bei einem kleinen Imbiss miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu pflegen, nutzten dann etliche der Gäste. Zu diesen zählten die Ehrenbürger Jürgen Croy, Bernd-Lutz Lange und Rainer Eichhorn. Dessen beiden Nachfolger im Amt des Oberbürgermeisters, Dietmar Vettermann und Dr. Pia Findeiß, waren ebenfalls anwesend. Zu den Gästen zählten weiterhin unter anderem Bundes- und Landtagsabgeordnete, Landrat Carsten Michaelis sowie Oberbürgermeister und Bürgermeister des Landkreises. Vertreter von Vereinen und Verbänden, von kommunalen Gesellschaften und Zweckverbänden, von Freiwilligen Feuerwehren und Hilfsorganisationen sowie zahlreiche Unternehmer und weitere Persönlichkeiten machten die Vielfalt der geladenen Gäste aus. Aus der tschechischen Partnerstadt Jablonec nad Nisou war Bürgermeisterin Jana Hamplová angereist, und aus Volodymyr Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung, die sich derzeit zu einem Arbeitsbesuch in der Automobil- und Robert-Schumann-Stadt aufhalten.
Apropos Volodymyr: Eine Spendenbox, zentral im Foyer platziert, ermunterte die Gäste zu spenden. Mit dem Hinweis auf das Spendenkonto hofft die Stadt Zwickau, dass in den nächsten Tagen noch weitere Spenden eingehen – natürlich gerne auch von Personen und Unternehmen, die nicht bei Neujahrsempfang waren (Stadtverwaltung Zwickau/ IBAN: DE86 8705 5000 2244 0039 76/ BIC: WELADED1ZWI/ Verwendungszweck „Ukrainehilfe“). Das Geld kommt der Hilfe für und den Projekten mit der ukrainischen Partnerstadt zugute. Seit 2022 konnten – auch durch Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen oder Vereine – Hilfen verschiedener Art organisiert werden. Mit der Nutzung von Fördermitteln konnten beispielsweise Generatoren, ein Kleinbagger oder zivile Fahrzeuge nach Volodymyr geliefert werden. Ein besonderes Anliegen ist die Ferienfreizeit für Kinder und Jugendliche aus der Region um die westukrainische Stadt, deren Eltern im Krieg sind oder getötet wurden. Die letzte dieser Sommerfreizeiten fand im Juli 2025 statt, auch künftig sollen diese Aufenthalte organisiert werden. Bürgermeisterin Silvia Queck hatte bereits in ihrer Begrüßung für Spenden geworben: „Sie leisten damit einen Beitrag zur Zusammenarbeit mit Volodymyr und setzen ein Zeichen für die Solidarität mit der Ukraine, die seit fast vier Jahren dem russischen Angriffskrieg ausgesetzt ist.“
Organisation und Partner
Der erste Neujahrsempfang fand am 9. Januar 1998 statt. In diesem Jahr liefen die organisatorischen Fäden erneut bei der Stadtwerke Zwickau Holding GmbH und im Presse- und Oberbürgermeisterbüro zusammen. Unterstützt wurden sie bei der heutigen Veranstaltung personell durch Kollegen und Auszubildende der Zwickauer Energieversorgung GmbH (ZEV) und der Stadtverwaltung. Maßgebliche Partner sind seit Jahren die Sparkasse Zwickau und die Mauritius Brauerei Zwickau GmbH, außerdem die Zwickauer Energieversorgung GmbH, die Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH, die Wasserwerke Zwickau GmbH und die Gebäude- und Grundstücksgesellschaft Zwickau mbH.




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