Bilanz, Technik-Upgrade und Ausblick auf PiLOT.112 in Kooperation mit der Leitstelle Gera
Fünf Jahre interkommunale Zusammenarbeit, rund um die Uhr einsatzbereit und technisch auf dem nächsten Zukunftsschritt: Anlässlich des Europäischen Tages des Notrufs 112 informieren die Partner der Leitstellenkooperation Jena – Saale-Holzland-Kreis – Saalfeld-Rudolstadt über die Entwicklung der gemeinsamen Regionalleitstelle, aktuelle Modernisierungsvorhaben und die anstehenden Schritte im Projekt PiLOT.112.
„Die Leitstellenkooperation hat sich in den vergangenen fünf Jahren als leistungsfähige und wirtschaftlich tragfähige Struktur bewährt. Die interkommunale Zusammenarbeit sorgt dafür, dass wir personelle, technische und organisatorische Ressourcen bündeln und dauerhaft eine hohe Einsatzbereitschaft sicherstellen können. Gerade bei außergewöhnlichen Lagen oder hoher Anrufdichte zeigt sich der große Vorteil der Kooperation, weil wir flexibel reagieren, gegenseitig unterstützen und die Notfallversorgung für die Menschen in der Region zuverlässig gewährleisten“, sagt Benjamin Koppe, Bürgermeister und Dezernent für Finanzen, Sicherheit und Bürgerservice der Stadt Jena
Fünf Jahre Kooperation – Synergien, die im Alltag wirken
Die interkommunale Zusammenarbeit in der jetzigen Zuständigkeit jährt sich 2026 zum fünften Mal. Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wird seit 2021 betreut und der Saale-Holzland-Kreis sogar schon seit 2002. Ziel war und ist es, dauerhaft eine leistungsfähige Leitstelle zu sichern und Synergien zu nutzen – etwa bei qualifiziertem Personal, bei der Beschaffung kostenintensiver IT- und Funktechnik, in der Systembetreuung sowie bei Investitionen in Technik und Ausstattung. So betreibt die Stadt Jena die zentrale Leitstelle, welche alle Notrufe aus den drei Gebietskörperschaften entgegennimmt und die Einsätze des Rettungsdienstes, der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes alarmiert und disponiert. Das stärkt auch die Handlungsfähigkeit bei Großschadenslagen mit hoher Anruf- und Einsatzdichte.
„Wenn viele Notrufe gleichzeitig eingehen, brauchen wir eingespielte Abläufe, belastbare Technik – und verlässliche Partner“, betont Nick Ludwig, Fachdienstleiter Feuerwehr der Stadt Jena. „Unser Anspruch ist: schnell, klar und professionell – damit die richtigen Kräfte so früh wie möglich am richtigen Ort sind.“
Auch aus Sicht des Saale-Holzland-Kreises ist die gemeinsame Leitstelle ein wichtiger Baustein für die Sicherheit in der Fläche: „Für unsere Region zählt, dass Hilfe auch unter hoher Belastung koordiniert werden kann – vom Verkehrsunfall bis zur großen Unwetterlage“, sagt Christian Meyfarth, Kreisbrandinspektor des Saale-Holzland-Kreises. „Die Kooperation schafft Stabilität, sichert Fachlichkeit und sorgt dafür, dass wir im entscheidenden Moment handlungsfähig bleiben.“
Aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt heißt es: „Interkommunale Zusammenarbeit ist gelebte Daseinsvorsorge: gemeinsam leistungsfähig, gemeinsam resilient“, sagt Olaf Neugärtner, Fachbereichsleiter Öffentliche Ordnung und Sicherheit, Umwelt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. „Die Leitstellenkooperation ist dafür ein starkes Beispiel – fachlich, organisatorisch und wirtschaftlich.“
„Bevölkerungsschutz endet nicht an Kreisgrenzen“, ergänzt Markus Wimmer, Sachbearbeiter Rettungsdienst des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. „Mit dem Kooperationsmodell stärken wir die Einsatzkoordination im Alltag und die Reaktionsfähigkeit in Ausnahmelagen – genau darauf kommt es an.“ Im Herbst des vergangenen Jahres wurden neue Zweckvereinbarungen geschlossen, um die Zusammenarbeit auch künftig fortzusetzen und weiter zu verbessern.
Technik-Update: Kommunikationsanlage für Funk und Telefonie wird erneuert
Derzeit wird die Kommunikationsanlage für Funk und Telefonie umfassend erneuert, um technisch auf dem aktuellen Stand zu bleiben und die Grundlage für neue Funktionen zu schaffen – perspektivisch auch für innovative Lösungen wie eine Live-Übersetzung. Die Maßnahme kostet rund 70.000 Euro.
„Moderne Leitstellenarbeit braucht moderne Systeme – robust, ausfallsicher und erweiterbar“, so Ludwig. „Wir investieren in Technik, die unsere Disponentinnen und Disponenten unterstützt und damit direkt die Versorgungssicherheit verbessert.“
Ausblick: PiLOT.112 – Redundanz mit Gera bis 2030
Mit einem neuen Regelwerk des Landes Thüringen aus 2025 wurden umfassende Anforderungen an Leitstellen definiert. Die Umsetzung erfolgt in Jena im Rahmen des Projekts PiLOT.112 in Kooperation mit der Leitstelle Gera. Bis 2030 soll eine gemeinsame Redundanz aufgebaut werden – unter anderem mit einem neuen gemeinsamen Einsatzleitsystem, strukturierter Notrufabfrage, neuer Digitalfunk-Anbindung, baulichen Erweiterungen am Standort Jena sowie der Erfüllung von KRITIS-Anforderungen (Kritische Infrastrukturen). In einem ersten Schritt wird ein Fachplaner ausgeschrieben; noch in diesem Jahr soll zudem mit der Beschaffung eines Systems zur strukturierten Notrufabfrage begonnen werden. Das Land fördert die Vorhaben mit 70 Prozent.
„Mit PiLOT.112 setzen wir gezielt auf Redundanz und stärken damit die Ausfallsicherheit der Leitstellenarbeit. Ziel ist es, Notrufannahme und Einsatzkoordination auch dann zuverlässig aufrechtzuerhalten, wenn Technik ausfällt oder außergewöhnliche Lagen eintreten. Redundante Systeme, hohe IT-Sicherheit und klar definierte Abläufe sind dabei zentrale Voraussetzungen. Gemeinsam mit der Leitstelle Gera und mit Unterstützung des Freistaats schaffen wir eine belastbare Struktur, die den steigenden Anforderungen an Bevölkerungsschutz und Krisenfestigkeit dauerhaft gerecht wird“, stellt Benjamin Koppe heraus.
Tag des Notrufs 112: In der EU einheitlich – und im Ernstfall lebenswichtig
„Im Mittel werden in der Leitstelle täglich zwischen 200 und 250 Einsätze des Rettungsdienstes, der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes bearbeitet“, berichtet Benjamin Koppe.
Der Notruf 112 ist die europaweit einheitliche Notrufnummer und gilt in allen Mitgliedsstaaten der EU. Über die Leitstelle werden Hilfeleistungen bei medizinischen Notfällen, Bränden und Unfällen koordiniert. Einsatzsachbearbeiterinnen und Einsatzsachbearbeiter fragen gezielt nach, alarmieren die erforderlichen Kräfte und geben – wenn nötig – auch telefonische Anweisungen, etwa zur Telefonreanimation bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
„Im Notfall gilt: 112 wählen – und als Erstes den Ort nennen“, betont Nick Ludwig. „Je genauer die Angaben, desto schneller kommt Hilfe.“
„Die 112 ist die wichtigste Nummer in einer Ausnahmesituation – wir werben dafür, sie richtig zu nutzen“, sagt Wimmer. „Klare Angaben helfen uns, schneller die richtigen Mittel zu entsenden.“


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