In Zwickau geborene und international erfolgreiche Künstlerin verstorben

Zuletzt war Henrike Naumann in die Gestaltung der 61. Biennale di Venezia involviert

Mit großer Erschütterung und tiefer Trauer haben die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum und die Stadt Zwickau vom viel zu frühen Tod von Henrike Naumann (1984-2026) erfahren.

1984 in Zwickau geboren, blieb sie ihrer Heimatstadt auf besondere Weise verbunden – biografisch wie künstlerisch. In ihrer künstlerischen Praxis setzte sich Henrike Naumann mit der politischen Geschichte Deutschlands auseinander.

Einer ihrer Schwerpunkte lag dabei auf ostdeutschen Lebensrealitäten. Die gesellschaftlichen Umbrüche nach 1989 und politischen Radikalisierungen bildeten einen zentralen Ausgangspunkt ihres Werkes. Früh entwickelte sie eine eigenständige, unverwechselbare Sprache, die historische Recherche, persönliche Perspektive und eine präzise installative Ästhetik miteinander verband.

Gezielt nutzte sie vor allem Möbel, Innenräume und Alltagsdesign, um gesellschaftliche Ideologien und soziale Umbrüche sichtbar zu machen. Themen wie der NSU, rechtsextreme Radikalisierung, das Verhältnis von Kunst und Krieg oder die Brüche ostdeutscher Biografien behandelte sie mit analytischer Schärfe und großer persönlicher Dringlichkeit.

Für ihre vielschichtigen Installationen wurde sie international ausgestellt und mehrfach ausgezeichnet.

2019 wurde sie mit dem Max-Pechstein-Förderpreis der Stadt Zwickau ausgezeichnet. Im selben Jahr sowie zuletzt 2025 waren ihre Arbeiten in Zwickau zu sehen. Für die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum war es von besonderer Bedeutung, dass eine international beachtete Künstlerin immer wieder den Dialog mit ihrer Herkunftsstadt suchte.

Mit der Installation „DDR noir“, die mit Unterstützung der Illgen-Stiftung für die Sammlung erworben wurde, bewahren die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum ein zentrales Werk ihres Schaffens. Es steht exemplarisch für ihren außergewöhnlichen Ansatz, gesellschaftliche Umbrüche in der DDR und darüber hinaus aus persönlicher und zugleich historisch reflektierter Perspektive zu erfassen.

Zu ihren jüngsten und hoch verdienten Erfolgen zählte die Einladung, gemeinsam mit Sung Tieu den Deutschen Pavillon der 61. Biennale di Venezia zu gestalten. Bis kurz vor ihrem Tod arbeitete sie an der Ausstellung, die vom 9. Mai bis 22. November 2026 in Venedig zu sehen sein wird – ein eindrucksvolles Zeichen der internationalen Anerkennung ihres Schaffens.

Mit Henrike Naumann verliert die Gegenwartskunst eine herausragende, unbeirrbare Stimme, eine inspirierende Gesprächspartnerin und einen warmherzigen Menschen.

„Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden sowie allen, die ihr verbunden waren“, schreiben die Stadt und die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum Ihr Werk wird bleiben – in unserer Sammlung, in unserer Stadt und im internationalen Kunstdiskurs.

Henrike Naumann wurde 2019 mit dem Max-Pechstein-Förderpreis ausgezeichnet (Foto: Stadt Zwickau)

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