Eine Löwenprozession in Gotha zum Abschied

Zoologischer Präparator Peter Mildner wird in den Ruhestand verabschiedet

Die Prozession beginnt am 1. März, 10.30 Uhr, gegen 11 Uhr wird der Löwe präsentiert:

Der zoologische Präparator Peter Mildner wird am Sonntag, 1. März, in den Ruhestand verabschiedet. Zu diesem Anlass präsentieren die Museumslöwen im Festsaal von Schloss Friedenstein der Öffentlichkeit Mildners letztes Präparat: den Angola-Löwen Bono. Beginn der Veranstaltung ist 11 Uhr.

Zuvor würdigen die Museumslöwen Peter Mildner und seine Arbeit mit einer großen Prozession, die um 10.30 Uhr am Alten Rathaus auf dem Hauptmarkt startet. Hierfür hat ein einstiger Kollege von Peter Mildner, der Gothaer Künstler und ehemalige Depotmeister Jürgen Weis, ein lebensgroßes Kunstmodell eines Löwen angefertigt. Alle sind herzlich eingeladen, sich dem Lauf anzuschließen – gerne im Löwenkostüm oder mit Löwenaccessoire.

Dauerhaft wird der Löwe seinen Platz im Katzenraum von „Tiere im Turm“ (Westturm) haben. Die Museumslöwen – Gemeinschaft zur Förderung des Museums der Natur Gotha e.V. haben das Präparat zum Großteil finanziert.

Peter Mildner präsentiert den Museumslöwen das von ihnen zum Großteil finanzierte Präparat (Foto: Museumslöwen/Friedenstein Stiftung Gotha)

„Pitti“ – Eine Würdigung

Mit einer Löwin fing alles an, mit einem Löwen endet auch die berufliche Laufbahn von Peter Mildner. 1968 öffnete ihm ein kleines Raubkatzenmodell-Modell, das er als Siebenjähriger modelliert hatte, das Tor zur Wismarer Zeichenschule. Sie bildete die kreative Basis seines Schaffens als zoologischer Präparator. 58 Jahre später, am 1. März 2026, wird sein letztes präpariertes Tier im Festsaal von Schloss Friedenstein präsentiert: Bono, ein Angola-Löwe aus dem Zoo in Halle.

Noch hockt der Löwe in Peter Mildners Werkstatt im Perthesforum, wo er den Eintretenden von seinem Podest aus aufs Eindringlichste entgegenblickt. „Wenn die Augen nicht stimmen, hilft auch das beste Modell nicht“, sagt der 64-Jährige, der eine Augensammlung besitzt; auf dem Fensterbrett starren gläserne Exemplare in den unterschiedlichsten Farben und Pupillenformen an die Decke, wo ein präparierter Bergfink von einer Leuchte baumelt. Neben dem Zweiphenoxyethanol-Fläschchen schwimmen in Einmachgläsern die organischen Vorbilder der Glasaugen.

„Pitti“, wie Peter Mildner von den meisten genannt wird, arbeitet seit 1978 als Tierpräparator für die Natur-Sammlungen in Gotha – ein Beruf, den er mit seinem ganzen Wesen und Tun ausfüllt, der aber nur einer von 117 ist, die zu ihm gepasst hätten. Mildner fischt aus seinem Notizblock seine „Das hättest Du auch machen können“-Liste, auf der er alle Tätigkeiten festgehalten hat, in denen ihn andere gesehen haben: von Arzt und Alleinunterhalter über Bäcker, Fotograf und Hauptbuchhalter bis hin zu Soziologe und Therapeut ist alles dabei.

Er ist vielseitig, begabt, kommunikativ, hilfsbereit, findig, verkannt, genial. Im Gespräch mit ihm kann es passieren, dass er eine nicht ganz treffende Formulierung seines Gegenübers zurechtrückt, ein Wort herausgreift, es dreht und wendet, den Wortsinn aus ihm heraus wringt und der Etymologie des Begriffes nachgeht – bevor er fortzufährt und sich das Gespräch wieder verästelt. 

Über die Jahre schuf Peter Mildner viele Präparate, Illustrationen für Ausstellungen und Modelle. Er schafft es, das Charakteristische aus dem Dargestellten herauszukitzeln. Das Material spielt dabei keine Rolle: ob Ton, Gips, Plastilin oder Suralin, sogar mit dem Wachs eines Babybel-Käses, aus ausgedienter Alufolie oder einem alten Pralinenpapier kann Mildner Chamäleon, Säbelzahnkatze und Pottwal im Kleinformat erschaffen.

„Die besten Arbeitsjahre waren die nach der Wende, als wir die Dauerausstellungen zum Artenschutz, den Ursauriern oder dem Thüringer Wald im Herzoglichen Museum eingerichtet haben“, sagt Mildner, der gerade dabei ist, den Friedenskuss mit Silicon einzuspachteln. Das Ergebnis – ein Abguss aus Gips – soll Ende des Jahres in der Gegenausstellung zu „Chinas Gold und Gothas Schätze“ im Museum der schönen Künste Qujiang in Xi’an zu sehen sein.

Peter Mildner hat in seinen fast 48 Dienstjahren viele Veränderungen mitgemacht. Er hat erlebt, wie aus den Museen der Stadt Gotha der Gothaer Kultur- und Fremdenverkehrsbetrieb, die Stiftung Schloss Friedenstein und später die Friedenstein Stiftung Gotha wurde. Er war dabei, als die Dioramen aus dem Naturkundemuseum/ heute Herzogliches Museum ausgemustert wurden und einige Tiere in den Westturm von Schloss Friedenstein umzogen, als die Naturkunde einen anderen Stellenwert bekam.

Sein Gerechtigkeitssinn führte ihn erst in den Personalrat der Stadt Gotha, später in den Betriebsrat der Stiftung, in dem er als langjähriger Vorsitzender viele bohrende, unbequeme Gespräche führte. Ob Rekonstruktion, Präsentationshilfe oder Verpackung für Objekte – auch praktisch hat er für die Kolleginnen und Kollegen stets Lösungen parat.

Stiftungsdirektor Dr. Tobias Pfeifer-Helke würdigt den langjährigen Mitarbeiter: „Peter Mildners unermüdlicher Schaffensdrang beschränkt sich nicht auf die Anfertigung von Tierpräparaten in seiner Werkstatt, sondern scheint jede einzelne Minute seines Tages zu durchdringen. Seine Arbeiten sind ein wesentlicher Bestandteil vieler Ausstellungen. Mit dem Löwen Bono bleibt ein wunderbares Präparat, das die Gäste begeistert und die Kolleginnen und Kollegen an Peter Mildner erinnert.“

Noch bis zum 28. Februar 2026 ist „Pitti“ der Zoologische Präparator der Stiftung, dann geht er in den Ruhestand, der bei ihm sicher keiner sein wird, denn Berufliches ließ sich bei ihm noch nie von Privatem trennen.

Lebenslauf

Peter Mildner, genannt „Pitti“, wurde 1961 in Wismar geboren und besuchte dort die Schule. Bereits als Kind begann er zu zeichnen und zu modellieren und zeigte früh ein besonderes Interesse an Tieren, vor allem an exotischen Tieren. Als Schüler in der Abteilung „Bildende Kunst“ an der Musikschule Wismar erhielt er neun Jahre lang Unterricht in den Fächern Malen, Zeichnen, Naturstudium, Plastik, Grafik, Gestaltung, Schrift und Dekoratives Arbeiten. Seit 1978 ist Peter Mildner als zoologischer Präparator in Gotha tätig und absolvierte dabei von 1979 bis 1981 seine Ausbildung zum Facharbeiter für Zoologische Präparation am Museum für Naturkunde Berlin. Er ist hier für Wirbeltierpräparation, Rekonstruktionen, Modelle und Ausstellungsgestaltung zuständig. 1984 bis 1988 durchlief Mildner außerdem das Fachschulfernstudium (FH) Präparation an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Er betreute dutzende Berufs- und Schülerpraktikanten, organisierte 14 überregionale Weiterbildungsveranstaltungen für Präparatoren und war viele Jahre im Vorstand des Berufsverbandes tätig.

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