Stadt und Landkreis legen abgestimmten Lösungsansatz vor
Weichenstellung: Gemeinsames Modell soll Straßenbahn- und Busverkehr in Plauen langfristig sichern.
Stadt und Landkreis haben in den vergangenen Monaten gemeinsam einen abgestimmten Lösungsansatz zur Sicherung des Straßenbahn- und Busverkehrs in Plauen erarbeitet. Grundlage ist ein Auftrag des vogtländischen Kreistages aus dem vergangenen Jahr, gemeinsam mit der Stadt Plauen eine zukunftsfähige Lösung für den öffentlichen Nahverkehr zu entwickeln.
Ziel ist es, den Straßenbahnbetrieb im Eigentum der Stadt Plauen langfristig zu stabilisieren, bestehende Strukturen zu stärken und zusätzliche Synergien zu erschließen.
Für die Umsetzung dieses Modells kommt dem Freistaat Sachsen eine zentrale Rolle bei der Ausgestaltung der notwendigen Rahmenbedingungen zu. Stadt und Landkreis setzen dabei auf die bereits in Aussicht gestellte Unterstützung und erwarten eine verlässliche Positionierung.
Die im Rahmen des Termins vorgestellten Maßnahmen stehen unter dem Vorbehalt entsprechender Beschlüsse des Kreistages und des Stadtrates.
Straßenbahnbetrieb
Die PSB bleibt 100%ige Tochter der Stadt Plauen, die ebenso weiterhin für die Infrastruktur verantwortlich ist. Die geplante Neuorganisation soll den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlässliche Perspektiven bieten. Im Zuge der Neuorganisation ist vorgesehen, dass die Stadtbusverkehrsleistungen künftig durch den Plauener Omnibusbetrieb GmbH (POB) organisiert werden, der ein Betrieb des Zweckverbands Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland (ZVV) ist.
Infrastruktur und operative Synergien
Zur Steigerung der Effizienz und zur Weiterentwicklung eines modernen öffentlichen Nahverkehrs ist eine klare Aufgabenverteilung vorgesehen. Der Straßenbahnbetrieb sowie der Betriebshof und die zugehörige Infrastruktur verbleiben im Eigentum und im Verantwortungsbereich der Stadt Plauen. Die Elektrobusse könnten künftig an den POB übertragen werden. Zur Nutzung weiterer Synergieeffekte ist zudem vorgesehen, den PSB-Servicepoint am Standort des Verkehrsverbundes am Oberen Bahnhof zu konzentrieren.
Wirtschaftlichkeit
Eine moderate Anpassung der Fahrkartenpreise und damit Einnahmeeffekte für die PSB ist ein weiterer Baustein im Konzept. Trotz dieser Anpassung werden sich die Ticketpreise im sachsenweiten Vergleich zunächst weiterhin im unteren Bereich bewegen.
Zur dauerhaften Stabilisierung des Systems ist vorgesehen, das bestehende strukturelle Defizit in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro künftig gemeinsam zu tragen. Stadt Plauen, Vogtlandkreis und der Freistaat Sachsen sollen jeweils einen Anteil von rund 1,5 Millionen Euro übernehmen. Dieses Modell bildet die Grundlage für eine verlässliche und langfristig tragfähige Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs in Plauen.
Zusätzlich laufen aktuell jährliche Finanzausgleichszahlungen des Vogtlandkreises in Höhe von 1,32 Mio. EUR. Geplant ist, dies auf 1,5 Mio. Euro zu erhöhen. Diese Dynamisierung soll der Kreistag in seiner kommenden Sitzung beschließen. Hinzukommen Zuschüsse des Zweckverbandes in Höhe von rund 1,5 Mio. Euro pro Jahr.
Gemeinsamer Weg für eine tragfähige Lösung
Landrat Thomas Hennig und Oberbürgermeister Steffen Zenner haben im vergangenen Jahr den Grundstein für ein tragfähiges Betriebsmodell der PSB gelegt. Ein erstes gemeinsames Treffen fand im November 2025 statt und markierte den Auftakt für einen intensiven Abstimmungsprozess zwischen Stadt, Landkreis und dem ZVV.
Die erarbeiteten Vorschläge wurden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der PSB im Rahmen der heutigen Betriebsversammlung vorgestellt. Im Zuge einer weiteren Informationsveranstaltung werden heute auch die Mitglieder des Stadtrates sowie des Kreistages über den aktuellen Stand und die geplanten nächsten Schritte unterrichtet. Im Juni sollen Kreistag und Stadtrat in ihren Sitzungen über die Vorschläge entscheiden.
Vereinbarung zwischen Landkreis und Stadt geplant
Grundlage für die geplante Zusammenarbeit soll ein Vertrag zwischen dem Landkreis und der Stadt mit einer Laufzeit von zehn Jahren bilden. Diese Vereinbarung soll Planungssicherheit und eine stabile Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit im Bereich ÖPNV in der Region gewährleisten. Das neue Modell soll zum 1. Januar 2027 wirksam werden.
Unterstützung durch den Freistaat
Der Landrat und der Plauener Oberbürgermeister stehen hierzu in engem Austausch mit dem Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung.
Ziel ist es, die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass das gemeinsam entwickelte Modell wie vorgesehen umgesetzt werden kann. Dafür ist eine klare und verlässliche Unterstützung des Freistaates Sachsen erforderlich.
Einordnung durch Stadt und Landkreis
Landrat Thomas Hennig:
„Ziel war es, eine Lösung zu erarbeiten, die sich in die bestehenden Strukturen des öffentlichen Nahverkehrs im Vogtland integriert und finanzierbar ist. Das ist uns gelungen. Im Ergebnis haben wir nun einen Ansatz, der die Interessen des gesamten Landkreises berücksichtigt.“
Oberbürgermeister Steffen Zenner:
„Mit der geplanten Neuorganisation schaffen wir eine klare Struktur und verlässliche Perspektiven, sowohl für die Beschäftigten als auch für den Nahverkehr in unserer Stadt. Ich bin dankbar für den Weg, den alle Beteiligten gemeinsam gegangen sind. Zugleich bin ich zuversichtlich, dass wir auch die letzten Schritte gemeinsam bewältigen – mit dem Freistaat Sachsen als verlässlichem Partner an unserer Seite.“
Hintergrund
Die PSB verfügt über ein rund 34,5 Kilometer umfassendes Liniennetz und prägt seit 1894 den öffentlichen Nahverkehr in der Stadt Plauen. Mit dem Verlust der Kreisfreiheit der Stadt Plauen zum 1. Januar 2009 ging die Zuständigkeit für den öffentlichen Personennahverkehr grundsätzlich auf den Vogtlandkreis über. Der Stadt Plauen wurde jedoch antragsgemäß die Aufgabenträgerschaft ÖPNV zugeordnet.
Aufgrund gestiegener Personal- und Infrastrukturkosten gerät die Straßenbahngesellschaft zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten, die ohne strukturelle Veränderungen 2027 zu einer Insolvenz führen würden.


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