Begegnung mit einem Luchs bei Oberhof

Mittlerweile leben wieder etwa 25 Luchse in Thüringen

Luchsnachwuchs in Thüringen im Mai – Störungen vermeiden – Mehr Lebensraumschutz für Luchse

Laut dem NABU Thüringen sind Luchssichtungen jederzeit möglich. Erst Ende März hatte ein Spaziergänger bei Oberhof eine faszinierende Begegnung mit Europas größter Wildkatze. Tom Reuß wird diesen Tag nicht so schnell vergessen. „Für mich und meine Begleitung war es ein großartiges Erlebnis, ein normalerweise scheues Tier für so lange Zeit aus nächster Nähe betrachten zu dürfen. Seine stattliche Schulterhöhe, das wunderschöne Fell und das Fauchen haben uns sehr beeindruckt“, erzählt Tom Reuß von dem Ereignis. „Nachdem wir den ersten kleinen Schreck überwunden hatten, mussten wir diese Begegnung einfach festhalten und machten vorsichtig einige Bilder vom Luchs.“

Luchsnachwuchs ab Mai möglich – Störungen vermeiden

Derartige Sichtungen sind inzwischen in allen Waldgebieten Thüringens möglich. Insbesondere nach der sogenannten Ranzzeit, also der Paarungszeit von Luchsen im Februar und März. Momentan streifen die tragenden Weibchen umher, um nach einem geeigneten Versteck für die Aufzucht ihrer Jungen zu suchen.

„Im Mai rechnen wir dann mit dem ersten Luchsnachwuchs in diesem Jahr“, sagt Silvester Tamás, der Koordinator des NABU-Luchsprojektes in Thüringen. „In solch einer hochsensiblen Zeit ist es wichtig, dass Störungen für die Wildtiere so gering wie möglich gehalten werden. Speziell forstwirtschaftliche Eingriffe sollten auf das geringste Maß heruntergefahren oder gänzlich ausgesetzt werden. Auch mit Blick auf die Brutzeit der Vögel, die gerade auf Hochtouren läuft“, sagt der Experte.

Weitere Hinweise und Meldungen zu Luchsbeobachtungen nimmt der NABU Thüringen gerne entgegen, um gegebenenfalls auch Maßnahmen zum Schutz der Tiere abzustimmen.

Mehr Lebensraumschutz für Luchse

Mit dem NABU-Luchsprojekt wirbt der Verband vor allem für mehr Schutz, Akzeptanz und Verständnis. „Wir haben in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Vorträgen hunderte von Menschen über das Pinselohr aufgeklärt. In Thüringen wurden von uns viele Informationsgespräche zu mehr Naturschutz im Wald und zum Weidetierschutz geführt, mehr als 1.400 Hektar als LuchsWald ausgezeichnet, Daten über die Vorkommen von Luchsen gesammelt, überprüft und an die zuständigen Behörden weitergegeben. Darüber hinaus haben wir uns über die Landesgrenzen hinaus mit anderen Luchsprojekten vernetzt und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit zum Thema betrieben. Diese Arbeit hat sich ausgezahlt, denn mittlerweile leben wieder etwa 25 Luchse in Thüringen. Im zurückliegenden Monitoringjahr gab es, mit drei führenden Luchsweibchen, so viel Luchsnachwuchs wie noch nie im Freistaat.“

Damit Luchse langfristig eine Chance in Deutschland haben, muss allerdings noch viel getan werden. Bundesweit liegt der Bestand der Pinselohren derzeit bei maximal 200 Tieren. „Für eine stabile Luchspopulation braucht es allerdings wenigstens 600 bis 1000 Tiere, die hier gefahrlos leben, wandern und sich genetisch austauschen können“, so Tamás.

Für den NABU Thüringen ist der Lebensraumschutz und die Lebensraumvernetzung deshalb ein zentrales Thema im Luchsprojekt. Mit seiner Aktion LuchsWald wirbt der Verband für mehr Naturschutz im Wald und bietet Waldbesitzenden die Möglichkeit, ihre Wälder nach fachlich geeigneten Kriterien hinsichtlich der Bedürfnisse des Luchses entwickeln zu können und sich auszeichnen zu lassen. Mehr Naturschutz im Wald ist nicht nur für den Luchs gut, sondern auch für viele andere seltene bedrohte und gefährdete Arten.

Mehr zum Thema Luchs und dem NABU-Projekt unter: www.NABU-Thueringen.de/luchs

Luchs bei Oberhof (Foto: Tom Reuß)

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