Der NABU Thüringen gibt die Ergebnisse zur „Stunde der Gartenvögel“ im Freistaat bekannt
Die Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“ zeigen in Thüringen einen weiteren deutlichen Abwärtstrend unter anderem bei einst häufigen Arten wie Haussperling, Feldsperling und Amsel. Bei den Finken sieht es zum Glück nicht ganz so schlecht aus, wie anfänglich befürchtet.
„Besonders dramatische Verluste haben Haussperling mit 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und Feldsperling mit 15 Prozent Rückgang zu verzeichnen“, stellt Naturschutzreferent Marcus Orlamünder vom NABU Thüringen fest. „Damit setzt sich der Negativtrend bei beiden Vogelarten aus den vergangenen Jahren leider fort.“
Aus Sicht des NABU sind die Zahlen besorgniserregend. Wenn einst so häufige Arten wie der Haussperling immer weniger gemeldet werden, könnte das ein Alarmsignal für den Zustand der Natur in unseren Siedlungen sein. Grund dafür sind meist ein mangelndes Nahrungsangebot und der Verlust von Wohn- und Lebensraum in den Städten.
Das zeigt sich auch bei den Mauerseglern. Die Sommerboten stürzten um 13 Prozent ab. Ihr typisches „Sri-sri“, das viele Menschen mit der warmen Jahreszeit verbinden, war am Zählwochenende deutlich seltener zu hören. Auch die Mehlschwalben-Sichtungen nahmen mit minus 16 Prozent deutlich ab.
„Beide Arten sind Gebäudebrüter und Insektenfresser. Es könnten also unter anderem der Insektenrückgang und die nicht vogelfreundliche Sanierung alter Gebäude eine Rolle spielen“, vermutet Marcus Orlamünder. Zum Teil kehrten Tiere aber auch erster später als üblich aus ihren Winterquartieren zurück. Im Gegensatz zum bundesweiten Trend, bei dem die Amsel mit einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen hat, ist sie im Freistaat um 5 Prozent weniger gemeldet worden.
Zum Glück sieht es bei den Finken nicht ganz so schlecht aus wie befürchtet. NABU-Naturschutzreferent Marcus Orlamünder sagt: „Grünfinken haben ein sattes Plus bei den Sichtungen von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verbuchen, auch die Buchfinken machten thüringenweit drei Prozent Plus. Es scheint sich keine Infektionswelle mit Trichomonaden anzubahnen, die in der Vergangenheit zu Verlusten unter einigen Finkenarten geführt hatte.“
Allerdings kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Grünfink seit Jahren zunehmend weniger gemeldet wird, wie auch die Zahlen der Bestandserfassung des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) bestätigen. Eine Ursache ist vermutlich, dass der Grünfink stärker unten den Infektionswellen mit Trichomonaden gelitten hat als der Buchfink. Die Erreger verbreiten sich vor allem an Futter- und Wasserstellen. „Wer Vögel füttert, sollte daher unbedingt auf die Hygiene achten“, rät Orlamünder. „Am besten Futtersäulen nutzen und Wasser täglich wechseln.“
Bei den gesichteten Vögeln pro Garten setzt sich der leichte, aber stetige Abwärtstrend ebenfalls fort: Wurden 2018 noch 33,79 Vögel gezählt, flatterten diesmal nur noch 28,45 Vögel durch einen Garten oder Park.
In Thüringen haben sich wieder über 1.700 Meschen an der Aktion beteiligt. Am häufigsten wurde der Haussperling mit 5.010 Sichtungen gemeldet. Es folgen Kohlmeise mit 2.559, Amsel mit 2.533, Star mit 2.250 und Blaumeise mit 2.077 gemeldeten Vögeln.
Insgesamt haben bundesweit fast 56.000 Menschen bei der Vogelzählung mitgemacht und aus mehr als 38.000 Gärten weit über eine Million Vögel gemeldet. Die „Stunde der Gartenvögel“ ist eine Mitmachaktion von NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Die nächste Vogelzählung ist die „Stunde der Wintervögel“. Sie findet vom 8. bis 10. Januar 2027 statt.
Weitere Informationen zur Aktion und zu den Ergebnissen, auch in den Landkreisen: www.NABU-Thueringen.de/stunde-der-gartenvoegel


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