Wie die Gottesackerkirche mehr in die öffentliche Wahrnehmung gerückt werden kann
Wie sieht die Zukunft der Gottesackerkirche in Greiz aus? Verkauf oder Erhalt durch ein neues Nutzungskonzept? Diese Fragen wurden bei einem offenen Gesprächsabend am Donnerstag vor Pfingsten in besagtem Gotteshaus diskutiert.
Die Veranstaltung war die dritte und letzte Station Reihe „Wie verändert sich Kirche?“ der Ökumenischen Akademie Ostthüringen, in der es um die gesellschaftliche Verantwortung für denkmalgeschützte und sakrale Gebäude und deren Nutzung ging. Den Auftakt machte die Kreuzkirche in Zeulenroda, die vom Verein Viva Kulturforum für Veranstaltungen genutzt wird. Die zweite Station war die entwidmete Kirche in Greiz Aubachtal, die an eine Gruppe junger Leute verkauft wurde, die das einstige Gotteshaus bereits für kulturelle Veranstaltungen nutzt.
Bei der Gottesackerkirche steht die Diskussion über die weitere künftige Verwendung noch ganz am Anfang. Zu dem Gesprächsabend in dem Gotteshaus an der Greizer Friedhofstraße erläuterte Karin Berkemann zunächst vor rund 50 Besuchern der Veranstaltung die allgemeinen historischen Hintergründe des Kirchenbaus speziell in der Zeit des Jugendstils und präsentierte Beispiele für ihre heutige Nutzung. Dabei brachte es die Professorin für Baugeschichte und Denkmalpflege in Dessau, die sich in eigenen Projekten zum Kirchenbau engagiert und im Kuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sitzt, auf dem Punkt: „Kirchen sind Gemeingüter. Dabei geht es nicht nur um den Schauwert schöner Muster, sondern um innovative Ideen für die Nutzung“. Für diese sieht sie in der Greizer Gottesackerkirche ein hohes Potential.
Dem schloss sich Konstantin Manthey vorbehaltlos an: „Kirchen sind Gemeingut und müssen als Ort für alle da sein, egal ob getauft oder nicht getauft.“Der Katholische Theologe, Kunsthistoriker und Kirchenblogger aus Berlin war das erste Mal in Greiz und überrascht von der Gottesackerkirche. „Das ist ein gutes Beispiel für ein forgotten place und für mich eine wahre Entdeckung. Das Gotteshaus hier hat einen ganz besonderen Baukörper, der verschiedene Zeitschichten dokumentiert. Unbedingt erhaltenswert.“
Tatsächlich stehen aber geschätzte 30 Prozent aller Kirchen in Mitteldeutschland vor der Schließung. Der Erhalt und die Sanierung überfordert die Kirchgemeinden. „Für die rund 50 Kirchen unseres Kirchenkreises stehen zirka 125.000 Euro jährlich zur Verfügung. Das sind gerade einmal 2.500 Euro pro Kirchengebäude“, rechnete Tobias Steinke, seit 2023 Superintendent im Kirchkreis Greiz, am Donnerstagabend vor. Und dabei stehe die Gottesackerkirche nicht gerade oben auf der Prioritätenliste. Allein für die Stadtkirche Greiz besteht ein Investitionsbedarf von 180.000 Euro, für die Kirche in Pohlitz gar 750.000 Euro und das Gemeindehaus Gommla 500.00 Euro.
Doch es sei nicht das Geld allein, das den Erhalt von Gotteshäusern retten könne. „Bevor wir eine Kirche schließen, müssen wir sie erst einmal öffnen“, so Manthey, und dazu brauche es neue Wege und Menschen, die sich engagieren. Die Gottesackerkirche müsse zunächst erst einmal mehr in das öffentliche Bewusstsein der Greizer gerückt werden. Als einen ersten Schritt dazu wertete Karin Berkemann das vor zwei Jahren veröffentlichte Buch „Jugendstil in Greiz“ von Katja Lux und Jaqueline Bräunlich, das auch die Gottesackerkirche vorstellt. Ein weiteres Mosaiksteinchen zur öffentlichen Wahrnehmung war das Nachtkonzert mit Michael von Hintzenstern und weiteren Musikern am Tag nach dem Gesprächsabend in der Gottesackerkirche. Und die Ankündigung von Jaqueline Bräunlich, dass das Gotteshaus als Station bei Stadtrundgängen der Tourist-Information und Kirchentouren aufgenommen werden könne, wurde am Donnerstagabend mit Beifall quittiert.
Er habe schon drei, vier Ideen, wie es mit der Gottesackerkirche weitergehen könnte, sagt Tobias Steinke. „Darüber zu sprechen ist aber noch zu früh“, so der Superintendent auf Nachfrage: „So ein schöner Raum, hier kann man die unterschiedlichsten Sachen machen. Wenn das ins öffentlichen Bewusstsein gelangt ist, entwickelt sich sicher eine gewisse Dynamik. Wir haben das in Aubachtal gesehen, da lagen am Ende fünf verschiedene Konzepte auf dem Tisch. Hier in der Gottesackerkirche geht es jetzt darum, neben der Kirchgemeinde, die sich wirklich engagiert, neue Leute zu finden, die sich hier engagieren.“
















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