Objekt des Monats im Naturkundemuseum Gera

Der „Silberachat“ des Stadtapothekers Curt Schröder

Als im Jahr 1916 der Stadtapotheker Dr. Curt Schröder verstarb, hinterließ er seiner Heimatstadt Gera eine nach ihm bekannte Stiftung.

Die Stiftung bestand aus einem Vermögen von rund 30.000 Mark, einer Villa samt Grundstück in Dresden und vor allem aus seiner etwa 2.000 Stück umfassenden Mineraliensammlung inklusive Schrank. Ein großer Teil seiner Sammlung wird noch heute – 110 Jahre später – im Museum für Naturkunde aufbewahrt. Darunter befinden sich zahlreiche außergewöhnliche Stücke.

Ein ganz besonderes Objekt in seiner Sammlung ist eine 10,8 x 5,8 Zentimeter große und nur wenige Millimeter dünn geschnittene und polierte Platte von bräunlichem Quarz, der oft als „Hornstein“, Jaspis oder Achat bezeichnet wird. Darin enthalten sind glänzende Strukturen, die an feine Fischgräten oder pflanzliche Gebilde erinnern. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um Silber, das in dieser Form in der Natur auftreten kann. Die ungewöhnliche Kombination von Silber in dieser Ausbildung in Quarz verlieh dem einzigartigen Material auch seine alte Bezeichnung „Silberachat“.

Gefunden wurde die kostbare Mineralkombination in einigen Gruben bei Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirge. Auf den außergewöhnlichen Charakter des Schmucksteins war man schon seit Jahrhunderten aufmerksam geworden. Deshalb fand der Johanngeorgenstädter „Silberachat“ auch Verwendung für Steinschnittarbeiten, so auch für einen Konsoltisch, der unter August dem Starken für die damalige kurfürstliche Sammlung angefertigt wurde.

Wahrscheinlich musste Schröder tief in die Tasche greifen, als er das Mineral bei Richard Zeumer in der Dresdener Schlossstraße erworben hatte. Dieser vertrieb in seinem Laden zwar vor allem Spielwaren, bot aber offenbar auch Mineralien an. 1918 liefen seine Geschäfte so gut, dass er sogar Hoflieferant Seiner Majestät des Königs (von Sachsen) wurde.

Der 1836 in Gera geborene Curt Schröder führte zwar von 1872 bis 1896 die Geraer Stadtapotheke, verbrachte aber anschließend das letzte Viertel seines Lebens in Dresden. Auch deshalb sind in seiner Sammlung zahlreiche herausragende Mineralien aus Sachsen enthalten. Mit dem Sammeln hatte Schröder jedoch bereits während seiner Zeit als Apotheker in Gera begonnen. Leiten ließ er sich nicht nur durch seinen persönlichen Geschmack, sondern auch durch offenkundig gründliches systematisches Wissen und ein Gespür für gute Mineralstufen. Mit seiner privaten Sammlung trug Schröder das „who is who“ an bekannten und verfügbaren Mineralfunden aus allen Teilen Deutschlands, aber auch von namenhaften Fundstellen der ganzen Welt zusammen.

Die Sammlung ist damit heute ein „Katalog“ von Mineralfunden aus der Zeit Schröders. Selten wiederholen sich einzelne Mineralstufen in der Sammlung. Von häufigeren Mineralien gibt es zwar mehrere Exemplare, stets aber in sehr unterschiedlichen Formen, Ausbildungen oder von sehr vielfältigen Fundorten.

Selbst gesammelt haben dürfte Schröder kaum. Er investierte in vielen Fällen sicher nicht unerhebliche Geldbeträge und war angesichts der Schönheit vieler Mineralstufen offenbar ein Ästhet. Die akkurat vorgedruckten Fundortetiketten, die fast immer exakt recherchierten Fundortangaben und korrekten Bestimmungen zeugen von Schröders Akribie.

Vor allem durch das Ende des Zweiten Weltkriegs und die damit verbundenen Kriegszerstörungen sind nicht alle Stücke seiner Sammlung erhalten. Sein „Silberachat“ ist davon glücklicherweise nicht betroffen und wird deshalb bis heute als Rarität im Museum für Naturkunde sorgfältig aufbewahrt.

Zu Ehren Schröders veröffentlicht das Museum für Naturkunde Gera in Kürze in der größten deutschsprachigen Mineralien-Fachzeitschrift einen umfangreichen und detaillierten Artikel zur Schröder-Sammlung.

„Silberachat“ aus der Sammlung der Geraer Stadtapothekers Dr. Curt Schröder. (Museum für Natukunde Gera)

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