Jenaer Jugendliche erleben die Neue Thüringer Hütte

Bergfreundschaften auf 2.240 Metern

Zehn junge Menschen aus Jena haben vom 3. bis 7. August die Neue Thüringer Hütte im Nationalpark Hohe Tauern erlebt – und mit ihnen eine Ferienfahrt, wie es sie in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Die ist das Ergebnis einer erstmaligen Kooperation zwischen der Jenaer Jugendarbeit – Streetwork Lobeda, Streetwork Winzerla, dem Fanprojekt Jena und dem Jugendzentrum Hugo – und der Sektion Jena des Deutschen Alpenvereins (DAV).

Begonnen hat die Reise nicht in den Bergen, sondern in Salzburg: Bei einer gemeinsamen Pizza und einem Streifzug durch die Stadt kam die Gruppe zusammen, ehe es am nächsten Morgen um 5:30 Uhr ernst wurde. Von Habach aus führte ein fünfstündiger Aufstieg hinauf zur Hütte auf 2.240 Metern – anstrengend, aber verbindend. Alle zehn Teilnehmenden kamen sicher oben an, wo am Abend eine Lasagne wartete, die nach so einem Tag doppelt so gut schmeckte.

Am dritten Tag stieß Bergwanderführerin Martina Millgrammer dazu, und weil das Wetter keinen Aufschub duldete, wurde das Herzstück der Tour kurzerhand vorgezogen: Acht der zehn Jugendlichen wagten den Aufstieg auf den Larmkogel und trugen sich auf über 3.000 Metern ins Gipfelbuch ein.

Der folgende Tag gehörte der Geschichte des Ortes. Holger Fischer, 2. Vorsitzender der Neuen Thüringer Hütte, beantwortete geduldig die vielen Fragen, wie sich eine solche Hütte überhaupt betreiben lässt, und führte die Gruppe gemeinsam mit Martina Millgrammer zu den Ruinen der alten Thüringer Hütte, die 1968 und 1969 von Lawinen zerstört wurde. An diesem Ort wurden die lange Tradition und die Verbundenheit mit Jena unmittelbar spürbar. Zum Abschied errichteten die Jugendlichen gemeinsam ein Steinmännchen, in der Hoffnung, dass es die nächste Saison überdauert.

Immer wieder rückte auch der Naturschutz in den Blick: Der Rückgang der Gletscher und seine Folgen wurden nicht nur besprochen, sondern in der Landschaft selbsterfahrbar. Der Abstieg am letzten Tag verlangte der Gruppe noch einmal alles ab – vor allem Aufmerksamkeit, denn der sichere Umgang im alpinen Gelände, in den Tagen zuvor eingeübt, wurde hier noch einmal auf die Probe gestellt. Mit müden Beinen, aber wachem Geist ging es zurück ins Tal, wo dank der Unterstützung der DAV-Sektion Jena an der historischen Moa-Alm bei Käsespätzle und Kaiserschmarrn ein letztes gemeinsames Highlight auf die Gruppe wartete.

Was bleibt, sind Erfahrungen, die weit über die Tage in den Bergen hinausreichen. Im Mittelpunkt standen Gemeinschaft, Naturerlebnis und das Überwinden eigener Grenzen – und genau das nehmen die Teilnehmenden mit zurück nach Jena.

„Ich habe auf dem Berg meine eigenen Grenzen kennengelernt und gemerkt, dass man als Team alles schaffen kann. Der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft waren für mich das Wichtigste. Besonders möchte ich mich bei Holger Fischer für die Gespräche und bei Harald Anders für das gemeinsame Kochen bedanken. Den Mut neue Sachen zu probieren, nehme ich mit zurück nach Jena“, sagt der 15-jährige Teilnehmer MHDsamer Alkaheel.

Für die Streetwork liegt der bleibende Wert vor allem in den Beziehungen, die auf der Fahrt entstanden sind:

„Die neue Thüringer Hütte ist ein besonderer Ort der Begegnung. Die Teilnehmenden konnten hier neue Beziehungen knüpfen, weit über Ihr gewohntes Umfeld hinaus. Diese Bergfreundschaften und abenteuerlichen Erfahrungen werden in Zukunft sicherlich auch unterhalb der 1000 Höhenmeter jeden und jede zu neuen ,Höhen‘ verhelfen“, sagt Andrea Wiede von Streetwork Winzerla.

Dass die Fahrt Lust auf mehr macht, bringen zwei Teilnehmende auf den Punkt:

„Für alle die Lust haben mal rauszukommen, neue Leute kennenzulernen oder einfach nur die Natur genießen wollen, ist die Challenge Alpentour genau das Richtige. Wir mussten zwar verdammt früh aufstehen, aber für den bombastischen Ausblick hat es sich gelohnt“, sagen Maja Hauspurg (18) und Darius Treppschuh (17).

Und so richtet sich der Blick bereits nach vorn. Aus dieser ersten Tour soll mehr werden – ein Wunsch, den auch der Deutsche Alpenverein teilt:

„Es ist für mich ein großes Glück junge Menschen dabei begleiten zu können gemeinschaftlich nicht nur einen Gipfel zu erklimmen, sondern die Energie der Berge zu spüren. Aus Sicht der DAV Sek. Jena wünsche ich mir, dass aus dieser ersten Alpentour künftig eine Tradition wächst.“ sagt Robert Ackermann Künstler, Teamer und Mitglied der DAV-Sektion Jena.

Ein solches Vorhaben trägt nur, wenn viele mitwirken. Der Dank gilt daher den Teilnehmenden für ihren Mut, ihr Vertrauen und ihre Aufmerksamkeit; dem gesamten Team der Neuen Thüringer Hütte für die herzlichen Worte, das gute Essen und das offene Herz; der DAV-Sektion Jena für die organisatorische Unterstützung, das Einlassen auf die Prinzipien der Jugendarbeit und die eingebrachte Expertise; sowie allen Kolleginnen und Kollegen aus der Jugendarbeit und allen Teamerinnen und Teamern vor Ort. Sie alle haben dieses innovative Projekt möglich gemacht und mit Leben gefüllt – und dabei stets die Sicherheit aller im Blick behalten.

Was bleibt, sind Erfahrungen, die weit über die Berge hinauswirken.

Larmkogel Gipfelkreuz (Foto: Andrea Wiede Streetwork)

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