„Wir müssen mehr auf Angriff spielen“

SPD-Generalsekretär Klüssendorf in Greiz über seine Partei und sein Tipp als Trainer

Unter welchem Namen er künftig als DJ agieren möchte, verriet Tim Klüssendorf im Greizer 10aRium nicht. Der SPD-Generalsekretär hatte auf seiner Wahlkampftour durch Sachsen-Anhalt einen Abstecher nach Thüringen gemacht und war Gast bei „Politik & Beats“, einer Veranstaltung, zu der der SPD-Ortsverband eingeladen hatte.

„Kürzlich wurde bei einem TV-Termin, den ich mit einem älteren Herrn hatte, der etwa 90-jährige Senior gefragt, ob er überhaupt wisse, mit wem er da spricht“, erinnert Klüssendorf an eine Begebenheit. „Klar doch, das ist der Klüssi“, habe der Mann gesagt. Vielleicht ein Hinweis für einen DJ-Namen für den SPD-Bundespolitiker? Der Bundespolitiker agierte zum Abschluss der Veranstaltung unter der Anleitung von DJane Juliane tatsächlich noch als Discjockey. Dabei zeigte er sich sichtlich begeistert vom Können und dem technischen Knowhow der jungen Greizerin. Juliane Wolf ist seit längerem als Produzentin und DJane aktiv und hatte maßgeblich das Format der Veranstaltung initiiert.

„Politik & Beats“ könne durchaus der Auftakt einer Veranstaltungsreihe sein. „Wir möchten hier in einer einer ähnlichen Atmosphäre wie bei der Reihe ‚Prominente im Gespräch‘ in lockerer Atmosphäre mit Politikern ins Gespräch kommen“, begrüßte SPD-Ortsvereinschefin Ines Wartenberg die Gäste. Etwa 40 Besucher waren zu der Veranstaltung ins 10aRium gekommen. Der Großteil natürlich bekennende Sozialdemokraten, unter anderem auch aus dem Vogtlandkreis, Gera, Erfurt, Jena und Erfurt. Unter ihnen der Thüringer SPD-Fraktionsvorsitzende Lutz Liebscher und der sachsen-anhaltinische Landtagskandidat Stefan Schneider.

Einer der prominenten Gäste war auch der Landesvorsitzende der SPD Thüringen und Innenminister des Freistaates, Georg Maier. Er beantwortete im ersten Teil des Abends die Fragen des Moderatorenduos Ines Wartenberg und Stephan Marek sowie aus dem Publikum. Dabei standen durchaus ernste Themen im Mittelpunkt. Der Drohnenvorfall auf dem Leipziger Flughafen habe gezeigt, dass die Konflikte dieser Welt auch bei uns angekommen sind. Genauso wie die Bedrohungen durch Extremisten. „Wir müssen den Islamisten, Rechts- und auch Linksextremisten konsequenter entgegen treten“, so Maier dazu. In Zeiten des Populismus gelte es, diesem mit Argumenten und wahren Fakten entgegen zu treten. „Ich möchte der Antipopulist sein“, so der Innenminister, der dafür plädiert, sich mehr der Alltagssorgen der Menschen anzunehmen: „Wir müssen mehr raus aus Berlin oder Erfurt in den ländlichen Bereich.“

Nach einem Break mit Beats von DJane Juliane stieß Tim Klüssendorf zu der Runde im 10aRium. Er kam nicht aus Berlin, sondern direkt von einem Wahlkampftermin in Quedlinburg. Im Gespräch mit den Moderatoren beschrieb er seine Aufgaben als Generalsekretär unter anderem als „Sprachrohr der Partei“ – dabei gäbe es wahrlich schöneres, als nach Wahlniederlagen vor die Kameras und Mikrofone zu treten. „Und da gab es im ersten Jahr meiner Amtszeit einige.“ Zudem sprach er über den Anschlag beim CSD in Berlin, die Rentenreform („Ich bin dafür, dass alle in die Rentenkassen einzahlen“), die Benzinpreise („Die Mineralölkonzerne machen Rekordgewinne, deshalb bin ich für die Einführung eines Spritpreisdeckels wie in Belgien“) sowie zahlreiche weitere politische Themen.

Bei allen Problemen und den miserablen Umfragewerten der Sozialdemokraten gäbe es aber auch einige Erfolge, für die seine Partei verantwortlich sei. So die Einführung der Reichensteuer und dass im vergangenen Herbst gegen die Widerstände der CDU die „Haltelinie“ von 48 Prozent bei der Rente festgeschrieben wurde. „Ich weiß, das ist eigentlich zu wenig, aber dass wir das mit den 48 Prozent geschafft haben, war ein riesiger Erfolg für uns.“ Erfolgreich ist Klüssendorf auch als Fußballer mit dem FC Bundestag. Die Mannschaft wurde bei der 53. Parlamentarier-EM im Mai Europameister. Welche Strategie er als Trainer der SPD für eine erfolgreiche Entwicklung der Partei einleiten würde, verriet der noch 34-Jährige am Samstagabend auch: „Wir müssen stärker in die Offensive gehen, mehr auf Angriff spielen. Es reicht nicht, immer nur auf die Verteidigung zu setzen.“

Tim Klüssendorf (2.v.li.) und Georg Maier (2.v.re.) mit den Moderatoren Ines Wartenberg und Stephan Marek im Gespräch. Im Hintergrund DJane Juliane.
DJane Juliane mit Tim Klüssendorf am DJ-Pult (Fotos: Gerd Zeuner)

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