Greizer Bundesligaringer nach spannenden Kämpfen wieder in der Erfolgsspur

RSV Rotation Greiz – ASV Mainz 13:9 (6:6)

Der Greizer Ringerverein bleibt auch im vierten Heimkampf der Saison ohne Niederlage. In einem bis zur letzten Sekunde spannenden Duell wurde der vierfache deutsche Meister ASV Mainz 88 mit 13:9 Punkten bezwungen.

Von Erhard Schmelzer:

Nach der ersten Saisonniederlage in der Vorwoche bei einem der Meisterschaftsfavoriten in Hösbach, gelang den Ostthüringern im siebten Kampf der sechste Sieg. Der Greizer Einzug in die Zwischenrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft, die mit Hin- und Rückkampf am 12. und 19. Dezember ausgetragen wird, dürfte für den derzeitigen Tabellenfünften keine Überraschung mehr sein.

Selbst der fünfte Tabellenplatz, der den sofortigen Einzug ins Viertelfinale am 2. und 9. Januar 2027 garantieren würde, scheint keine Utopie mehr zu sein.

Die in der nächsten Woche in der kasachischen Hauptstadt Astana stattfindenden Weltmeisterschaften warfen in allen Bundesligabegegnungen ihre Schatten voraus. Bei jedem Team fehlten Sportler, die für ihr Land beim Saisonhöhepunkt kämpfen werden. Verletzungen taten ein Übriges.

So fehlte auf Greizer Seite unter anderem der angeschlagene mehrmalige deutsche Meister Erik Thiele noch immer.

Beiden Konkurrenten, die vor 867 begeisterten Zuschauern in der Greizer Ringerhalle kämpften, musste ihre Aufstellungen den Gegebenheiten anpassen. Die Greizer, die beim vierten Heimkampf zum vierten Mal Tages-Rekordbesuch vermelden konnten, kamen damit besser zurecht.

Beide Teams gewannen jeweils fünf Kämpfe, wobei die Greizer bei drei Vergleichen ihre Niederlagen so niedrig halten konnten, dass ihre Widersacher nur mit einem Punkt belohnt wurden. RSV-Präsident Thomas Fähndrich zeigte sich vom Kampf begeistert: „Ich kann mich an keinen Kampf erinnern, bei dem so viele Kämpfe so knapp ausgingen. Unsere knappen Niederlagen haben uns den Sieg gesichert.“

Der dramatischste Kampf folgte ganz am Schluss als Fabian Wächter (80 kg/f) zu seinem ersten Einsatz in der Bundesliga kam. Der 18-jährige Sportschüler aus Jena, durch seine erfolgreichen Auftritte in der zweiten Mannschaft für Höheres prädestiniert, lieferte sich mit seinem Widersacher Danny Cub einen bis zur letzten Sekunde spannenden Kampf. Der Greizer verwandelte einen 0:3 Rückstand auf seine unorthodoxe forsche Art in eine 6:3 Führung.

Auch den Schlussspurt des Mainzers egalisierte er, doch der aus Bulgarien stammende und im bayerischen Traunstein heimisch gewordene Kampfrichter Petar Stefanov, einer der Besten in seiner Zunft, hatte bereits abgepfiffen: „Die Wertung kam zwei Sekunden nach dem Ende der Kampfzeit.“ Der Greizer unterlag damit 6:7, fährt aber in dieser Woche selbstbewusst zu seinem ersten Lehrgang bei der U 20-Nationalmannschaft.

Einer der Sieggaranten im Greizer Team war der 31-jährige Aserbaidschaner Tuncay Vazirzade (98 kg/g), der auf den Dritten der U23-EM, den Polen Yassin Ben Labed, traf. Der Greizer, der 12 Kilogramm weniger wog, war klarer Außenseiter. Trainer Tino Hempel hatte aber bereits nach dessen ersten Kampf für Greiz festgestellt: „Tunjay wird uns noch manchem Kampf gewinnen.“ Das Gefecht am Sonnabend war ein gutes Beispiel dafür. In einem dynamischen mit riesiger Intensität geführten Zweikampf kompensierte Vazirzade seinen Gewichtsnachteil gegen einen in dieser Saison noch ungeschlagenen Gegner.

Er brachte den Gegner zu Boden und erzwang außerdem noch zweimal Verwarnungen wegen passiver Ringweise des Gegners. Sein 5:1 Erfolg war wichtiger Bestandteil des Greizer Sieges.

Bereits zum Auftakt kam Niklas Nimtz (61 kg/g) zum vorzeitigen 17:0 Sieg.

Auch Nicolay Grahmez (75 kg/f) konnte wieder einmal einen vorzeitigen Erfolg feiern. Diesmal hatte der Zweite der Saisonbestenliste mit Aufreißern, diesmal ohne Armeinschluss, schon nach 82 Sekunden gewonnen.

Auch Serdar Durmus (75 kg/g) bezwang den ehemaligen deutschen Jugendmeister Alexander Zentgraf 7:3.

Aleksa Illic (80 kg/g) traf auf den dreimaligen Medaillengewinner bei den letzten drei deutschen Titelkämpfen Radu Placinta. Der Serbe dominierte den Kampf, der Widerstand seines Kontrahenten verhinderte weitere Wertungen, als die beiden Verwarnungen wegen passiver Ringweise.

Mit dem Ziel doch noch den dritten Punkt zu sichern um mit zwei Mannschaftspunkten dem Greizer Sieg näher zu kommen, versuchte Illic den Gegner mit aller Kraft von der Matte zu drängen. Doch der Kraft-und Willensakt scheiterte, Placinta konnte sich zwar gerade noch retten, aber der Greizer trat selbst über die Linie. Nur noch 2:1. Eine äußerst unglückliche Aktion nach mannschaftsdienlichen Einsatz.

Lucas Kahnt (86 kg/f) hingegen musste sich diesmal seinem Dauerrivalen Pouria Therkani geschlagen geben, den er im Halbfinale der deutschen Meisterschaft bezwungen hatte. Der Greizer begann offensiv, es fehlten nach einer Strafzeit gegen den eingebürgerten Iraner noch zehn Sekunden an seiner Führung, als dem Mainzer ein Beinangriff zur 2:0 Führung gelang. Während Lucas Kahnt um den Ausgleich kämpfte, nutzte sein Gegner die Situation für eine weitere Wertung.

Während Joel Wrensch (71 kg/g) gegen den türkischen EM-Dritten Mustafa Sahin beim 0:15 chancenlos war, unterlag Lucas Gansi (130 kg/f) den mehrmaligen DM-Medaillengewinner Abdallh Karem knapp 1:2.

Ein besonders interessanter und spannenden Kampf lieferten sich Razvan Kovacs (66 kg/f) und der im Vorfeld der Olympischen Spiele von Paris eingebürgerte US-Amerikaner Andre Clarke. Der zweimalige deutsche Meister und EM-Bronzemedaillengewinner von 2024 ging durch zwei blitzschnelle sehenswerte Beinangriffe 4:1 in Führung. Der eine Gewichtsklasse höher kämpfende Greizer kam in der zweiten Hälfte auf 3:4 heran. Im Schlussspurt wurde aber sein durchaus erfolgversprechender Angriff gekontert. Der amtierende deutsche Meister stand trotz seines 6:4 Erfolges ganz knapp vor einer Niederlage.

Nach einem Auswärtskampf beim Aufsteiger Weilimdorf (7. November) reist am 14. November der Tabellenführer SC Kleinostheim in Greiz an.

Dann ist mit einem neuen Jahres -Zuschauer-Rekord zu rechnen, die Unterfranken wollen viele Anhänger mitbringen und mit zwei Bussen anreisen.

Serdar Durmus setzt zum Wurf gegen den ehemaligen deutschen Jugendmeister Alexander Zentgraf an den der Greizer 7:3 bezwingt. (Foto: Rainer Marsch)

Kommentar verfassen