Forschung und praktische Umsetzung vorantreiben
In Suhl-Nord wird ein „Kompetenzzentrum Holzbau und nachwachsende Rohstoffe“ entstehen (KHoR). Das Kooperationsprojekt des Instituts für Angewandte Bauforschung Weimar (IAB) und des Bündnisses „Holz-21-regio“ e. V., das an der Fachhochschule Erfurt angesiedelt ist, wird vom Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur (TMDI) und dem Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten (TMUENF) begleitet. Es soll den Holzbau in Thüringen professionell koordinieren sowie mit Partnern und Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung die Verwendungsmöglichkeiten des wichtigsten nachwachsenden Rohstoffes mit Klimareparaturwirkung in regionalen Wertschöpfungsketten weiterentwickeln. Das Kompetenzzentrum wurde zur Regierungsmedienkonferenz am gestrigen Dienstag vorgestellt. „Thüringen soll eines der führenden Holzbauländer werden“, so Infrastrukturminister Steffen Schütz.
Das „Kompetenzzentrum Holzbau und nachwachsende Rohstoffe“ ist ein wichtiges Vorhaben des Thüringenplans 2026, mit dem die Landesregierung die Schwerpunkte ihrer Regierungsarbeit im laufenden Jahr definiert hat. Es wird mit insgesamt 10 Millionen Euro in den Jahren 2026 und 2027 vom TMDI gefördert. Am 1. April wurde ein förderunschädlicher Vorhabenbeginn gewährt. Die ersten 1,14 Millionen Euro werden zeitnah bewilligt, um die Handlungsfähigkeit des KHoR herzustellen.
„Das IAB steht für anwendungsorientierte Forschung, die unmittelbar in der Industrie ankommt. Wir freuen uns sehr, diese Innovationskraft auf den Bereich des Holzbaus auszuweiten. Aufbauend auf den hervorragenden Vorarbeiten des Bündnisses „Holz-21-regio“ wollen wir so einen Beitrag leisten, damit Bauen klimafreundlicher und ressourcenschonender wird. Mit dem Aufbau von KHoR verbinden wir den international sichtbaren Bauforschungsstandort Weimar mit den Potentialen und Traditionen der Region Suhl und des Thüringer Waldes“, so Robert Vetter, Direktor des IAB.
Thüringen wird entsprechend der von den Mitgliedern und Partnern des Thüringer Bündnisses „Holz-21-regio“ im Bundesförderprojekt „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ entwickelten Strategie den wichtigsten ökologischen Baustoff Holz – erzeugt in multifunktionaler Forstwirtschaft vor der eigenen Haustür – dazu nutzen, moderne gesellschaftliche Baukultur auf der Basis von Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum zu etablieren.
„Mit dem Start des Kompetenzzentrums in Suhl werden für Thüringen richtungsweisende Signale gesetzt. Neue regionale Wertschöpfung aus dem heimischen Holz in der ländlichen Region erzeugt vor Ort durch Einkommen, Arbeits- und Ausbildungsplätze eine wirtschaftsbasierte Strukturentwicklung. Die Einbeziehung diverser regionaler Wirtschafts- und Forschungskapazitäten eröffnet Unternehmen, Hochschulen und Institutionen neue, international relevante Entwicklungsperspektiven, die innovative interdisziplinäre Kooperationen ermöglichen und befördern. Neben der langfristigen CO2-Speicherung in werthaltigen Holzprodukten können insbesondere im Bauwesen energieintensive und auf fossilen Rohstoffen basierende Materialien ersetzt, abfallfreie und mehrfach wiederverwendbare Bausysteme realisiert und ein gesundes Wohnumfeld geschaffen werden – im Sanieren, Aufstocken und Neubau“, erläutert der als Sprecher des Bündnisses „Holz-21-regio“ fungierende Prof. Erik Findeisen von der Fachhochschule Erfurt.
Das frühere Wohngebiet Suhl-Nord vollzieht derzeit einen Wandel in ein Gewerbegebiet rund um den Rohstoff Holz. Das künftige „Kompetenzzentrum Holzbau und nachwachsende Rohstoffe“ fügt sich optimal in das Standortkonzept für den Stadtteil ein. Das IAB wird in Suhl-Nord ein Grundstück mit einer Größe von circa 0,5 Hektar erwerben. Dort wird eine Halle in Holzbauweise errichtet.
Bis zur Fertigstellung der Halle wird das IAB Übergangslösungen für die Arbeit des Kompetenzzentrums am IAB-Standort in Weimar schaffen. Die Aufgabenerfüllung des Kompetenzzentrums startet bereits vor der Fertigstellung der Halle und wird nach außen sichtbare Wirksamkeit erzeugen, zum Beispiel durch Workshops, Vernetzungsaktivitäten, Handreichungen, Begleitung von Modellprojekten und Realisierung von Forschungsvorhaben. Dabei werden die in Thüringen bereits aktiven Partner intensiv einbezogen.
„Der Thüringer Holzbau ist in der praktischen Umsetzung bereits stabil aufgestellt und hat dafür gesorgt, dass Synergieeffekte zwischen Forschung und praktischer Umsetzung genutzt werden können“, so Minister Schütz. Er verwies auf repräsentative Thüringer Holzbauprojekte wie den Green Campus der FH Erfurt, Grundschulen in modellhafter Holzbauweise in Ilfeld und Bendeleben, verschiedene Kita-Neubauten in Holzbauweise, ein Wohnheim für Auszubildende der Thüringen Forst AöR in Gehren aus regionalem Holz oder den geplanten Holzbau des Bauhofs Ruhla. Mit dem Kompetenzzentrum soll der Holzbau und die Entwicklung innovativer Technologien, insbesondere auch für die Nutzung von Laubholz, weiter vorangetrieben werden.
„Auch vor dem Hintergrund des klimabedingt notwendigen Waldumbaus ist die Errichtung eines Kompetenzzentrums Holz sinnvoll“, so Thüringens Umwelt- und Forstminister Tilo Kummer. „Nach den massiven Waldschäden in Folge von Dürren, Sturm und Schädlingsbefall in den letzten Jahren müssen weit über 100.000 Hektar Wald zu einem widerstandsfähigen Mischwald mit standortgerechten, klimaangepassten Baumarten umgebaut werden. Für die betroffenen Waldbesitzer ist es dabei auch wichtig, eine künftige Einkommensperspektive mit Baumarten eröffnet zu bekommen, die heute schwer zu vermarkten sind. Die holzverarbeitende Industrie ist für viele Produkte bisher auf Nadelholz angewiesen, insbesondere im Baubereich. Hier gilt es neue, innovative Verwendungs- und Einsatzmöglichkeiten, vor allem von Laubholz zu entwickeln und zu etablieren. Gleichzeitig wird so die notwendige Rohstoffbereitstellung für das nachhaltige Bauen künftiger Generationen gesichert“, so Minister Kummer abschließend.


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