Amtshilfe aus Chemnitz für einen Polarfuchs aus Gera

Zahlreiche Einzelteilchen für Unterkiefer mühevoll zusammengesetzt

Bei der systematischen Bearbeitung von Fossilien der 1874 in Gera-Pforten entdeckten Lindenthaler Hyänenhöhle fielen im Museum für Naturkunde Gera zwei Unterkieferbögen und zahlreiche dazu gehörige Zahnfragmente auf, die alle zusammengehörten. Das Besondere: der Unterkiefer gehört zu einem Polarfuchs (Vulpes lagopus).

Die zahlreichen Einzelteilchen mühevoll zusammengesetzt hat mit viel Geduld Christopher Herrmann vom Museum für Naturkunde Chemnitz. Ihm ist auch die Bestimmung des Fossils als Polarfuchs zu verdanken.

Während der letzten Eiszeit kamen auch in Ostthüringen Rotfuchs und Polarfuchs zeitweise gleichzeitig vor, ähnlich wie auch heutzutage in Norwegen. Sie anhand ihrer Fossilien zu unterscheiden ist sehr schwierig. Da Polarfüchse etwas kleiner sind als Rotfüchse, lassen sich aber zum Beispiel auch Unterschiede an den Abmessungen der Zähne feststellen. Vor allem aber können beide Arten anhand von Details am hinteren Ende des Reißzahns im Unterkiefer differenziert werden. Innerhalb der heute noch erhaltenen Knochen und Zähne aus der Lindenthaler Hyänenhöhle gibt es nur diesen einzigen Beleg für den Polarfuchs.

Wie alt der Unterkiefer genau ist, wurde noch nicht datiert. Vermutlich liegt aber das Alter zwischen 50.000 und 20.000 Jahre. Möglich ist es, dass das Tier als Kadaver von Höhlenhyänen aufgefunden wurde und dann zum ungestörten Fressen in die Höhle geschleppt wurde.

Vielleicht hat sich der Polarfuchs aber aufgrund von Aasgeruch in die Hyänenhöhle gewagt, was ihm dann zum Verhängnis wurde. Übrig blieb in beiden Fällen dann nur der Unterkiefer, dessen Rest jetzt zumindest wieder vollständig zusammengesetzt ist.

Polarfuchs-Unterkiefer aus der Lindenthaler Hyänenhöhle in Gera-Pforten. (Foto: Frank Hrouda)

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