Feuerwehr Jena trainiert auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf

Realistische Einsatzlagen unter Extrembedingungen

Praxisausbildung auf dem 4.287 Hektar großen Gelände:

Jenas Bürgermeister und Sicherheitsdezernent Benjamin Koppe sowie Nick Ludwig, Fachdienstleiter Feuerwehr der Stadt Jena, haben das Ausbildungslager des aktuellen Feuerwehrgrundlehrgangs auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf besucht. Die einwöchige Praxisausbildung auf dem weitläufigen, 4.287 Hektar großen Gelände gehört zu den anspruchsvollsten Ausbildungsabschnitten des sechsmonatigen Grundlehrgangs und dient dazu, die bisher erworbenen Fähigkeiten unter möglichst realitätsnahen Bedingungen zu festigen.

Am 1. April 2026 hat in Jena der 9. Grundlehrgang für den feuerwehrtechnischen Dienst begonnen. Insgesamt 16 Teilnehmer aus Jena, Thüringen, Berlin und der Industrie absolvieren derzeit ihre Ausbildung bei der Feuerwehr Jena. Vertreten sind neben der Stadt Jena auch die Städte Berlin, Rudolstadt, Nordhausen und Ilmenau, der Rettungsdienst Zweckverband Südthüringen sowie das Unternehmen TotalEnergies aus Leuna.

Der aktuelle Grundlehrgang umfasst rund 980 Unterrichtsstunden und verbindet theoretische Grundlagen mit intensiven praktischen Übungen sowie Training der körperlichen Leistungsfähigkeit. Zu den Ausbildungsinhalten gehören unter anderem Brandbekämpfung und Löschtechnik, technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen und komplexen Einsatzlagen, Rettung und Erstversorgung von Personen, Gefahrenlehre und rechtliche Grundlagen, Fahrzeug- und Gerätekunde, Sprechfunk und Einsatzkommunikation, Atemschutzgerätetraining, Belastungsübungen sowie taktisches Vorgehen im Einsatz.

Benjamin Koppe betont die Bedeutung der praxisnahen Ausbildung: „Der Truppenübungsplatz bietet ideale Bedingungen, um Einsatzlagen unter realistischen Voraussetzungen zu trainieren. Ob Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung, die Rettung verschütteter Personen oder die Vegetationsbrandbekämpfung in Zusammenarbeit mit der Polizeihubschrauberstaffel Thüringen. Die Anwärter sammeln hier wichtige Erfahrungen für ihren späteren Einsatzdienst. Gerade solche Übungen schaffen die notwendige Routine und Sicherheit, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.“

Während des Besuchs stand unter anderem eine Vegetationsbrandübung gemeinsam mit der Hubschrauberstaffel der Thüringer Polizei im Mittelpunkt. Dafür wurde auf dem Übungsgelände ein kontrolliertes Feuer mithilfe von Stroh entzündet. Die Feuerwehrkräfte trainierten die Lageerkundung, die Brandbekämpfung am Boden sowie die Zusammenarbeit mit dem Polizeihubschrauber. Dieser unterstützte die Brandbekämpfung aus der Luft und setzte dazu einen Löschwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von rund 900 Litern ein. „Dass wir diese Bedingungen für die Ausbildung nutzen können, ist nicht selbstverständlich. Deshalb danke ich der Bundeswehr für die Möglichkeit, auf dem Gelände zu trainieren, und der Thüringer Polizei für die sehr gute Zusammenarbeit“, ergänzt Koppe.

Auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf vertiefen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Inhalte des Grundlehrgangs unter besonders realitätsnahen Bedingungen. Trainiert werden unter anderem Brände in Gebäuden und im Gelände, Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen, die Rettung verschütteter Personen sowie Such- und Rettungseinsätze bei Tag und Nacht. Auch das Löschen von Bränden in den Nachtstunden und das Aufrechterhalten der Einsatzbereitschaft trotz körperlicher und mentaler Belastung sind Teil der Ausbildungswoche.

Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Handgriffe sicher zu beherrschen. Die Anwärterinnen und Anwärter müssen lernen, auch unter Belastung einsatzfähig zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und sich im Team aufeinander verlassen zu können. Gerade wenn die körperliche und mentale Erschöpfung zunimmt, beginnt ein entscheidender Teil der Ausbildung: weiterzumachen, wenn es anstrengend wird, und gemeinsam handlungsfähig zu bleiben.

Die Woche in Ohrdruf ist bewusst intensiv angelegt. Sie führt viele Ausbildungsinhalte zusammen, die zuvor einzeln vermittelt wurden: Erkunden, Entscheiden, Kommunizieren, Arbeiten mit Gerät, Menschenrettung, Brandbekämpfung und taktisches Vorgehen. Der Zeitraum ist zugleich eng in den gesamten sechsmonatigen Grundlehrgang eingebettet. Neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung absolvieren die Teilnehmenden weitere Ausbildungsabschnitte und Leistungsnachweise, darunter auch die Ausbildung zum Rettungsschwimmer. Entsprechend straff ist der Lehrgang organisiert.

Während des Besuchs informierte Fachdienstleiter Feuerwehr Nick Ludwig Bürgermeister Benjamin Koppe über den Ausbildungsstand des Lehrgangs sowie die besonderen Anforderungen der Praxisausbildung. Gemeinsam tauschten sie sich mit Ausbildern und Teilnehmenden über die Übungen, die Belastungssituationen und die Anforderungen des späteren Einsatzdienstes aus.

Benjamin Koppe unterstreicht außerdem die Bedeutung der Feuerwehrausbildung für die Sicherheit der Bevölkerung: „Gut ausgebildete Feuerwehrkräfte sind eine zentrale Voraussetzung für die Sicherheit in unserer Stadt. Deshalb investieren wir bewusst in eine hochwertige und praxisnahe Ausbildung. Jena bildet nicht nur für den eigenen Bedarf aus, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung im Feuerwehrwesen.“

Der Hauptstandort der Ausbildung ist die Feuer- und Rettungswache Süd in Jena. Ergänzende Ausbildungsabschnitte finden unter anderem an der Thüringer Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Bad Köstritz statt. Das Ausbildungslager ist ein fachlicher Höhepunkt des Grundlehrgangs und stärkt zugleich Teamarbeit, Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen als Grundlage für den späteren Einsatzdienst.

Feuerwehranwärter des aktuellen Grundlehrgangs mit dem Ausbildungsteam auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf. Mit dabei: Bürgermeister Benjamin Koppe (3. von rechts) und Fachdienstleiter Feuerwehr Nick Ludwig (2. von rechts). Im Hintergrund unterstützt ein Polizeihubschrauber die Übung zur Vegetationsbrandbekämpfung. (Foto: Stadt Jena)

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