Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt trauert um den ehemaligen Direktor der Heidecksburg

GTrauer um Horst Fleischer

Er war Ehrenbürger der Stadt Rudolstadt und langjähriger Museumsdirektor

Rudolstadt. Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt trauert um den langjährigen Direktor am Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Ehrenbürger der Stadt Rudolstadt und streitbaren Kämpfer für die Kultur, Horst Fleischer. Kurz vor seinem 90. Geburtstag Fleischer am Donnerstag, 16. Oktober 2026, verstorben.

„Wir haben einen klugen Kopf und eine gewichtige Stimme für die Kultur verloren“, sagte Landrat Marko Wolfram. „Unser Mitgefühl gehört in diesen Stunden seiner Familie. Wir werden Horst Fleischer in bleibender Erinnerung behalten und sein Andenken wahren“, so der Landrat.

Gebürtig in Köslin (Pommern), wuchs Fleischer in Mecklenburg auf. In Rostock studierte er Theologie, Germanistik und Geschichte und arbeitete anschließend als Lehrer. Die Liebe zu Inga Steinhauer lockte ihn nach Rudolstadt, das schnell zu seiner zweiten Heimat wurde. Hier war er als Archivar im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt von 1967 bis 1977 beschäftigt und widmete sich intensiv der Geschichte der Stadt, und darüber hinausgehend, der Geschichte des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. Von 1978 1980 war er Leiter der neu gegründeten Cotta-Galerie in Rudolstadt. Der Wechsel zu den Staatlichen Museen Heidecksburg war die konsequente Fortsetzung seiner beruflichen Entwicklung.

Wegbegleitern sind die von ihm gehaltenen Vorträge zu Themen der klassischen deutschen Literatur, zur Geschichte der Residenz, zur Regionalgeschichte und zur Denkmalpflege, in Erinnerung geblieben, die in ihrer erfrischenden Art ein Erlebnis für die Zuhörer waren, und sich auf das kulturelle Leben in Rudolstadt außerordentlich bereichernd auswirkten. So vermochte Horst Fleischer schon zu DDR-Zeiten, trotz herrschender ideologischer Vorgaben, eine kulturelle Identität zu stiften, die bis heute, auch bei den Jüngeren, nachwirkt.

Von 1986 an bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2002 leitete er als Direktor die Geschicke der Staatlichen Museen Heidecksburg (heute Thüringer Landesmuseum Heidecksburg). Dort setzte bereits zu DDR-Zeiten eine Phase der Neuorientierung ein. Trotz aller Probleme wurde das Museum in der Heidecksburg in diesen Jahren ein Ort, in dem dank der Tatkraft von Horst Fleischer sich vieles veränderte.

Er ließ sich stets von dem Grundsatz leiten, dass die Heidecksburg mit ihren Sammlungen nur als ein Gesamtkunstwerk begriffen werden kann, das sich in erster Linie durch ein intaktes bauliches Erscheinungsbild auszeichnen sollte. Heute muss man daran erinnern, dass Teile des Schlossparks einem Trümmerfeld glichen, dass die Restaurierungsarbeiten im Festsaal auf Grund permanenter Personal- und Finanznot immer wieder unterbrochen wurden, dass wichtige Räume wegen ihres baulichen Zustandes nicht mehr nutzbar waren.

Symbolisch spiegelte die Heidecksburg damit den allgemeinen gesellschaftlichen Zustand in der DDR wider, der in den späten 80er Jahren im ganzen Land zu spüren war. Denn zur gleichen Zeit verfielen in der Altstadt Rudolstadt ganze Bürgerquartiere und die Aufgänge zum Schloss waren kaum noch passierbar. Dieser Entwicklung aktiv entgegengewirkt zu haben ist Horst Fleischers besonderer Verdienst. Immer wieder den engen Zusammenhang von Schloss und Stadt betonend, setzte er sich Ende der achtziger Jahre in zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden für den Erhalt der Altstadt ein.

Um ein Zeichen zu setzen, gab er zu dieser Zeit für die Heidecksburg Planungen in Auftrag, die dem maroden baulichen Erscheinungsbild entgegenwirkten. Diese hatten die Rekonstruktion des Schlossparks – samt Schallhaus – zum Ziel, betrafen die Rekonstruktion des Reithauses auf der mittleren Terrasse und beschäftigten sich mit der Dachreparatur des Süd- und Westflügels. Diese konkreten planerischen Vorhaben trugen dazu bei, dass nach der politischen Wende im Jahre 1989 auf der Heidecksburg ohne Zeitverlust bestehende Projekte weitergeführt und neue Vorhaben begonnen werden konnten, zumal im November 1990 die erneute Berufung Horst Fleischers zum Direktor erfolgte.

In enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem ehemaligen Landkreis Rudolstadt wurden in diesen Jahren mehrere hunderttausend D-Mark auf Schloss Heidecksburg investiert. Die gesamte mittlere Terrasse wurde in ihrer ursprünglichen Funktion wiederhergestellt. An den Dächern wurde mit ersten Sicherungsarbeiten begonnen. Die Restaurierungsarbeiten im großen Festsaal wurden bis 1993 vollendet. Die Hofküche und die Schlossbibliothek wurden als neue Ausstellungsmöglichkeiten geschaffen. Mit der Übergabe des Schlosskomplexes an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Jahre 1994, konnte ein wohl geordneter Aufgabenbereich abgegeben werden.

Die seit den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geleistete museale Arbeit war vor allem durch Ausstellungs- und Publikationsprojekte geprägt, mit denen die Heidecksburg mehr und mehr in der Öffentlichkeit präsent wurde. Rückblickend stellt es sich heute als richtige Weichenstellung durch Horst Fleischer heraus, die „Kunst und Kultur der Residenz“ zum Gegenstand der Arbeit machten. Dieses Konzept schloss alle Museen der Stadt ein und konnte sukzessive unter ihm und seinem Nachfolger, Dr. Lutz Unbehaun, verwirklicht werden. Dies betraf auch das Schillerhaus, für das Horst Fleischer seit den 1980er Jahren weitreichende Planungen hatte, die aber erst nach 2005 umgesetzt werden konnten.

Mit den wichtigen kunst- und kulturgeschichtlichen Ausstellungen wie „Das Schwarzburger Militär“, „Die Schwarzburger im Mittelalter“, „Residenzkultur in Rudolstadt“ und „Volkstedter Porzellan“ konnten wegweisende Zeitepochen veranschaulicht werden, die Jahrzehnte vorher nur ungenügend beachtet worden war. Die parallel zu diesen Ausstellungen herausgegebene Buchreihe unter dem Titel „Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte“ war damals für die thüringische Museumslandschaft einmalig.

Der Erkenntnis folgend, dass Museumsarbeit ohne „Lobby“ nur schwer möglich ist, gelang es Horst Fleischer Interessierte aus ganz Deutschland für die Belange des Museums zu begeistern. Durch seine Initiative konnte 1991 der „Freundeskreis Heidecksburg“ gegründet werden, der seither zahlreiche Ausstellungs- und Restaurierungsprojekte und Druckwerke gefördert sowie Kunstankäufe getätigt hat.

Die von Horst Fleischer getragenen Aktivitäten haben dazu beigetragen, dass das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg heute zu den wichtigsten Residenzmuseen in Thüringen gehört und ein anerkannter Partner für die Forschungen zur Residenzkultur in Deutschland ist. Den von ihm eingeschlagenen Weg fortzuschreiten ist das Ziel seiner Nachfolger. Sein Beispiel wird dabei stets ein wichtiges Vorbild sein und sein erfolgreiches Wirken in ehrendem Gedenken gehalten.

„Seit 1967 lebe ich ständig in Rudolstadt und habe es nie bereut“, sagte Horst Fleischer anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde 2016.

Horst Fleischer (1936 – 2026)

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