Jörg Reichl würdigt Brigitte Merk-Erbe als Weggefährtin und Freundin.
„Ich stehe hier als jemand, der Dich über viele Jahre als Kollegin erlebt hat. Und vor allem stehe ich hier als Dein Freund.“ Mit diesen Worten machte Bürgermeister Jörg Reichl deutlich, was ihm die Einladung nach Bayreuth bedeutete. Am Freitagabend, 30. Oktober, hielt er im Balkonsaal des neuen Friedrichsforums die Laudatio auf Brigitte Merk-Erbe. Die frühere Bayreuther Rathauschefin erhielt aus den Händen von Oberbürgermeister Andreas Zippel den Ehrentitel „Altoberbürgermeisterin“.
Für Reichl war es eine Gelegenheit, die Leistungen einer geschätzten Amtskollegin zu würdigen und zugleich persönlich Danke zu sagen. Seit 2006 kennen sich die beiden. Merk-Erbe gehörte damals dem Bayreuther Stadtrat an, Reichl hatte sein Amt als Bürgermeister von Rudolstadt angetreten. Ihre offene und herzliche Art sei ihm von Anfang an sympathisch gewesen. „Du bist auf Menschen zugegangen, ohne Berührungsängste, ohne politische Förmlichkeit. Man hatte bei Dir nie das Gefühl, erst eine unsichtbare Grenze überwinden zu müssen, um miteinander ins Gespräch zu kommen.“
Von 2012 bis 2020 stand Merk-Erbe als erste Frau an der Spitze der Stadt Bayreuth. Reichl erinnerte an ihren Einsatz für geordnete Finanzen und wichtige Investitionen. Die Landesgartenschau 2016 mit der Wilhelminenaue, der Medizincampus Oberfranken und das Friedrichsforum stehen für Entwicklungen, die sie in ihrer Amtszeit voranbrachte. Ebenso würdigte er ihre Unterstützung für Vereine und ehrenamtliches Engagement.
Den Schlüssel zu ihrem Umgang mit Menschen sah Reichl auch in ihrem früheren Beruf als Sonderpädagogin. Wer mit Kindern und Jugendlichen arbeite, deren Lebenswege besondere Hindernisse bereithielten, lerne zuzuhören, Geduld zu haben und Potenziale zu erkennen. „Und vor allem lernt man eines: Jeder Mensch zählt.“ Dieses Verständnis habe sie mit ins Rathaus genommen. Ihre Jugend als Leistungsschwimmerin habe ihr wiederum Ausdauer und Zielstrebigkeit mitgegeben. Wobei Reichl augenzwinkernd anmerkte: „Beim Schwimmen weiß man wenigstens vorher, wie lang die Bahn ist.“
Besonders persönlich wurde die Laudatio dort, wo Reichl von der Städtepartnerschaft zwischen Bayreuth und Rudolstadt erzählte. „Doch aus einem Vertrag allein wird noch keine gelebte Freundschaft. Dazu braucht es Menschen, die aufeinander zugehen. Und Du warst ein solcher Mensch.“ Merk-Erbe habe sich aufrichtig für Rudolstadt, seine Menschen, seine Kultur und seine Herausforderungen interessiert.
Zu den gemeinsamen Erinnerungen gehört der Tag der Deutschen Einheit 2013, als beide in Bayreuth den Rudolstädter Platz einweihten und eine Thüringische Mehlbeere pflanzten. Im November 2019 führte eine Fotoausstellung zum Mauerfall zu einem bewegenden Austausch über die Erfahrungen in Ost und West. Im selben Monat überreichte Merk-Erbe Reichl die Bürgermedaille der Stadt Bayreuth in Gold. Nun durfte er sie ehren: „Heute darf ich nun Dich würdigen. Und ich muss sagen: Diese Rollenverteilung gefällt mir mindestens genauso gut.“
Aus der Zusammenarbeit wurden über die Jahre Gespräche, die weit über Kommunalpolitik hinausgingen. Reichl erinnerte an gemeinsame Abende im Burgenland, an Begegnungen mit den Ehepartnern und an Merk-Erbes 70. Geburtstag. Auch für ihren Rat dankte er ihr: „Wenn mich große politische Fragen beschäftigt haben, konnte ich Dich anrufen. Und ich wusste: Du hörst zu. Du denkst mit. Und Du sagst mir auch Deine Meinung.“
Seine persönliche Bilanz fasste er so zusammen: „Das schönste Ergebnis unserer Zusammenarbeit lässt sich eben in keinem Rechenschaftsbericht festhalten. Es ist die Freundschaft, die geblieben ist.“
Dass diese Freundschaft noch viele gemeinsame Abende bereithält, machte zum Schluss eine mitgebrachte Geburtstagsgabe deutlich: Eine Literflasche Grappa, die beide irgendwann zusammen leeren wollten, warte noch immer in Bayreuth. Reichl nahm es gelassen: „Denn wir haben damit noch etwas vor uns. Noch viele gute Gespräche. Noch viele schöne Abende. Noch viele Gelegenheiten, gemeinsam anzustoßen.“
Merk-Erbe dankte in ihrer Ansprache allen, die sie während ihrer Amtszeit unterstützt hatten, und warb für Zuversicht sowie ein offenes, tolerantes Miteinander. Musikalisch begleitete der Uni-Chor unter Leitung von Felix Brendel die Feierstunde.

Reichl und Bayreuths Oberbürgermeister Andreas Zippel. (Foto: Michael Wirkner)

Kommentar verfassen